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Was sich nach dem Coronavirus in Wuppertal ändern muss

Offen gesagt : Was sich ändern muss

Es ist nicht alles schlecht in diesen Zeiten. Doch an manchen Stellen gibt es in der Stadt deutliches Verbesserungspotenzial.

Eines steht jetzt schon fest. Wenn diese Corona-Geißel wenigstens einen Vorteil haben soll, dann darf nachher nicht alles so sein wie es vorher war. Auch Wuppertal gehört zu den Städten, in denen es über viele Jahre überwiegend nur bergauf ging. Sicher nicht wie in München oder Hamburg, nicht wie in Düsseldorf oder Bielefeld, nicht einmal so wie in Monheim am Rhein. In Wuppertal hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles zum Besseren gewandelt. Aber langsamer als anderswo, mühsamer, bisweilen quälend. Und die Fährnisse waren viel zu oft nicht vom Himmel gesandt, sondern schnöde hausgemacht. Beispiele gibt es viele. Zuletzt hat mangelnde Kontrolle und fehlende Kommunikation dazu geführt, dass die Zukunft der städtischen Bühnen auf des Messers Schneide steht. Der Zustand einer Stadt sagt immer auch etwas über die Qualität der Menschen aus, die sie leiten. Das gilt für Spitzenbeamte in Rathäusern ebenso wie für Mandatsträger in Ratsfraktionen. Fehlentscheidungen wirken sich zwar langsamer aus als beispielsweise in Unternehmen, aber sie wirken. Aber anders als in Unternehmen haben sie keine Folgen für die Entscheider.

Was heißt das für die Zukunft? Das heißt für die Zukunft, dass Spitzenpersonal viel, viel besser ausgewählt werden muss. Das heißt, dass es in Zukunft einen Stadtrat braucht, der seine Aufgabe ernst nimmt, die Verwaltung und deren Spitze konstruktiv zu kontrollieren. Zeiten wie diese sind schwierig, aber sie bieten Raum, sich Gedanken zu machen, sich vorzunehmen, was nach den schwierigen Zeiten besser werden soll. Noch grassiert das Virus nicht sehr lang durch Deutschland. Vielleicht gibt es deshalb auch noch keine Ideen für die Zeit danach. Vielleicht drückt die Stille aber auch aus, dass noch kaum jemand angefangen hat, sich Gedanken zu machen. Das wäre fatal. Denn dann ginge vieles so weiter wie bisher. Dann blieben Städte wie Wuppertal Hungerleider, Bettler und Bittsteller. Denn dann würden sich Mandatsträger ja weiterhin weigern, ihren Auftrag zu erfüllen. Was sich dann nicht ändert, war am Donnerstag zu sehen. Da feierte sich die Landesregierung dafür, dass sie sich die Kosten für die Rückerstattung der April-Kita-Gebühren mit den Städten teilen will. Das aber ist ein schlechter Witz. Erst drängen Regierungen den Kommunen das Recht auf Kinderbetreuung auf, aber das Geld, diesen Anspruch zu erfüllen, schicken sie nicht mit. Sich nun dafür feiern zu lassen, drückt die ganze Schieflage aus, in der sich das Finanzierungssystem im föderalen Deutschland befindet. Das muss sich ändern, weil sich sonst gar nichts ändert. Dafür braucht es veränderte Mandatsträger in Bundes- und Landtag, oder es braucht andere.

Es ist aber nicht alles schlecht in diesen schlechten Zeiten. Das Virus hat anscheinend eine Veränderung mit sich gebracht, mit der so überhaupt nicht zu rechnen war. Mag sein, dass es die Folge von weniger Leuten auf den Straßen der Stadt ist. Vielleicht ist es aber auch die Erkenntnis, dass es bisweilen wichtigere Dinge gibt als „schneller, weiter, höher“. Die Wuppertaler jedenfalls scheinen freundlicher miteinander umzugehen, sie sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, selbst in Warteschlangen vor Supermärkten höflich, hilfsbereit und immer zu einem Lächeln aufgelegt. Wenn so eine Bedrohung wie das Coronavirus ein bisschen verständiger, ein bisschen demütiger macht, dann ist das etwas, das es verdient, nach der Krise nicht wieder zu verschwinden.