Schöller: Die Angst vor der Halde

Schöller: Die Angst vor der Halde

Die Kalkwerke wollen nahe an der Wohnbebauung Abraum aufschütten – 40 Meter hoch.

Schöller. Sanft wiegen sich die Luftballonreihen auf dem Feld nahe der Ortschaft Schöller im Wind. Was fast idyllisch nach einem Dorffest aussieht, haben die Bürger jedoch aus großer Sorge angelegt. Denn es handelt sich dabei um Markierungslinien für eine der beiden bis zu 40 Meter hohen Abraumhalden, die derzeit von den Kalkwerken Oetelshofen im Bereich Schöller und Holthauser Heide geplant werden.

Der Hintergrund: Das Unternehmen braucht bis Ende nächsten Jahres dringend neuen Platz für die bei der Kalksteingewinnung anfallenden Erdmassen. Brisantes Detail: Die Halde Schöller wird bis auf 60 Meter an die Wohnbebauung heranrücken. Dagegen laufen die an tägliche Sprengungen gewöhnten und bisher geduldigen Bürger nun Sturm. Hinzu kommt, dass es sich bei einem Teil des Planungsgeländes um Landschaftsschutzgebiet handelt.

Bei der Firma Oetelshofen kann man die Aufregung nicht nachvollziehen. Hier versteht man die neuen Halden gleichsam als Außenwall mit einer Schutzfunktion vor den dahinter stattfindenden Sprengungen im Steinbruch. Diese Auffassung können die Schölleraner nicht teilen. "Die Staub- und Lärmbelästigung wird durch den Schwerverkehr und das Abkippen auf den Halden in hohem Maße ansteigen", sagt Anwohner-Sprecher Johannes Bielski. Die Wohn- und Lebensqualität in Schöller und der Holthauser Heide werde damit stark beeinträchtigt. "Durch den massiven Eingriff in die Natur und den Landschaftsschutz wird der historische und dörfliche Charakter von Schöller zerstört", so Bielski.

Jörg Iseke, Geschäftsführer der Kalkwerke Oetelshofen, nimmt die Sorgen der Bevölkerung durchaus ernst, verteidigt aber die Pläne. "Was wir hier vorhaben, ist durch die Schutzwallfunktion für unser Unternehmen und die Anwohner gleichermaßen positiv", betont er. Um die Anwohner auch während der Bauphase zu schützen, werde vor den Arbeiten an der Halde ein weiterer Wall errichtet.

Doch ganz ohne Lärm und Staub könne es bei der Aufschüttung nach seiner Aussage nicht gehen. "Der Weg ist natürlich dornig", so Iseke. Dabei handelt es sich um ein langfristiges Projekt mit einer Laufzeit zwischen 15 und 20 Jahren. "Die Arbeitsintervalle können dabei eng mit den Anwohner abgesprochen werden", sagt Mitgeschäftsführer Moritz Iseke, der zudem CDU-Fraktionssprecher in der Vohwinkeler Bezirksvertretung ist.

Auch hier hatten sich die Bürger bereits über die Pläne beschwert, worauf sich Iseke für befangen erklärte und an der Diskussion nicht teilnahm. Bezirksbürgermeister Heiner Fragemann stärkt den Bürgern derweil den Rücken. "60 Meter an der Ortschaft ist für die Halde einfach zu knapp", sagt er.

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