Wuppertal: Autofreie Luisenstraße: Politiker treten auf die Bremse

Wuppertal : Autofreie Luisenstraße: Politiker treten auf die Bremse

„Autofreie Luisenstraße“— so lautet eine Idee aus dem Bürgerbudget. Nun soll darüber in den Ratsgremien diskutiert werden.

Wuppertal. Die Luisenstraße als autofreie Zone? Bis jetzt ist es nur eine Siegeridee aus dem Projekt Bürgerbudget. Doch sie schlägt bereits Wellen. Bei der Bürgerbudget-Abstimmung kam der Vorschlag, die Elberfelder Straße zur Fußgängerzone zu machen, auf den 3. Platz. 331 der 1 627 Wähler stimmten dafür. Auf der Grundlage dieses Ergebnisses stehen dem Projekt 17 500 Euro der insgesamt 150 000 Euro zu, die die Stadt im Doppelhaushalt 2018/ 2019 erstmalig für Bürgerbeteiligungsprojekte bereitstellt.

Was hält der Ideengeber von dieser Einschätzung? Das ist genauso wenig klar wie seine Identität. Auf der Bürgerbudget-Seite erscheint er unter dem Namen „Chris“. Öffentlich geäußert hat er sich bislang nicht.

Aktuell kann man sich also nur an Chris’ kurzer Projektbeschreibung orientieren. Für ihn ermöglicht eine autofreie Luisenstraße den Ausbau der Außengastronomie. Dadurch werde das Luisenviertel, die „gemütliche Altstadt Wuppertals“ noch attraktiver. Auf lange Sicht könne man dann die Straße mit Kopfsteinpflastern belegen.

Während Chris sich zurückhält, gehen die Gegner seiner oder ihrer Pläne an die Öffentlichkeit. Bei einer Bürgerversammlung meldeten sich vor allem Anwohner kritisch zu Wort (die WZ berichtete). Die aufgeheizte Stimmung habe ihn „fast an eine Revolution“ erinnert, sagt Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Vitenius. Auch aus Kreisen der Gastronomie gibt es kritische Stimmen.

Vitenius wundert sich, warum die Verwaltung die Projektidee überhaupt passieren ließ. „Der Filter der Vorprüfung hat nicht funktioniert“, stellt er fest. Über solch ein folgenreiches Projekt könne keine Bürgerbudget-Abstimmung, sondern nur die Stadt entscheiden — in Abstimmung mit der Bezirksvertretung. Nun muss es laut Vitenius darum gehen, das Thema im Rat auf die Tagesordnung zu setzen und mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen.

Eine Luisenstraße ohne Autoverkehr hält Volker Dittgen, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, für schlicht nicht praktikabel. Dabei gehe es nicht allein um die Anwohner. Wer die eine Straße für Autos sperre, würde den umliegenden Straßen ein zusätzliches Verkehrsaufkommen aufbürden. Die durch Autos verursachte Lärm- und Geruchsbelästigung werde sich dadurch nur verlagern, nicht verringern. „Das alles muss man mit den Bürgern besprechen“, betont Dittgen. Die Kritik müsse man in jedem Fall ernst nehmen. Er könne sich noch gut erinnern, „als die ersten Fußgängerzonen eingerichtet wurden.“ Schon damals habe es heftige Diskussionen gegeben.

Ohnehin steht noch nicht fest, ob dieses Projekt jemals zum Praxistest antreten darf. Die Beurteilung durch die Stadtverwaltung, die man auf der Bürgerbudget-Seite im Internet lesen kann, fällt jedenfalls verhalten aus. Gleich zu Beginn wird als Alternative zur Fußgängerzone eine „autofreie Fahrradstraße“ vorgeschlagen.

Auch diese Fahrradstraße könne nicht hundertprozentig autofrei sein. Als Grund wird der „motorisierte Anwohner- und Andienungsverkehr“ genannt, ohne den das Leben im Luisenviertel nicht funktioniere. In einem Verkehrsgutachten sollen verschiedene Szenarien vorgestellt werden. Die Beurteilung schließt mit dem Satz: „Gleichzeitig bedeutet das jedoch auch, dass bei einem negativen Verkehrsgutachten die Projektidee nicht weiter verfolgt werden kann.“,

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