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Die älteste Tennishalle ist heute Kampfsportclub

Die älteste Tennishalle ist heute Kampfsportclub

Wo früher Filzkugeln flogen, trainieren inzwischen die Boxer.

Elberfeld. Im Fight-Club, in dem Werner Kreiskott und seine schlagkräftige Truppe die Gegner reihenweise in den Ringstaub schicken, flogen früher die gelben Filzkugeln über das Netz. In diesem Gebäude hatte die Wuppertaler Tennislegende Bernhard Gulcz, besser bekannt als „Bubi“, in den 30er Jahren eine Tennishalle eingerichtet, die als die erste in Deutschland gilt. Wer an der Fassade hoch schaut, kann in den abblätternden Lettern noch den Schriftzug: „Tennishalle BTC“ erkennen.

„Da wurde auf Steinboden gespielt. Der war zwar unheimlich schnell, aber sicher nicht das Ideale für die Gelenke“, erinnert sich Gulcz-Enkel Dino (40), der eine eigenen Tennisschule in Remscheid betreibt und behinderten Kindern Sportunterricht gibt. Er ist der Nachfahre einer wahren Tennis-Dynastie: Sein Onkel Helmut schlug sogar in Wimbledon auf und spielte mit dem Tennis-Baron Gottfried von Cramm im deutschen Daviscup-Team. „Bubi“ und Helmut waren später begnadete Trainer, und Dino freute sich, wenn Opa ihn im Winter mit in die Friedrich-Ebert-Straße 149 nahm und ihn dot trainierte.

„Ich habe bis in die 80er Jahre dort gespielt“, sagt Dino Gulcz, dessen Vater Bernd ebenfalls ein bekannter Spieler und Trainer war und im Barmer Fischertal den Tennis-Park Schüller betrieb. Doch die Geschichte des Hauses ist erheblich älter. Heute ist kaum noch zu erkennen, dass die von grauen, teilweise etwas verwahrlosten Häusern gesäumte Friedrich-Ebert-Straße einst ein Pracht-Boulevard war. Wer genau hinschaut, erkennt die einst noblen Bauten, von denen auch heute noch viele unter Denkmalschutz stehen.

Königstraße hieß sie damals, Anträge der KPD, sie in Karl-Marx-Straße und der USPD sie in Rathenau-Straße umzubenennen, scheiterten in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Elberfeld. Die Nazis gaben ihr dann den Namen „Straße der SA“, und nachdem sie nach dem Krieg wieder die Königstraße war, wurde sie 1946 nach dem ersten deutschen Reichspräsidenten Friedrich-Ebert, Abgeordneter des Wahlkreises Elberfeld-Barmen, benannt.

Die Nr. 149 beherbergte zunächst Pferdeställe und Remisen für Kutschen, und man kann sich gut vorstellen, wie die edlen Rösser über den gewundenen Gang zum heutigen Fight-Club in die erste Etage geführt wurden. Den Vorhersagen von Kaiser Wilhelm zum Trotz, der behauptet hatte: „Dem Pferd gehört die Zukunft, das Auto ist nur eine vorübergehende Erscheinung“ setzten sich die Automobile durch, und aus den Pferdeställen wurden Garagen, in denen auch Friedrich Bayer seine Karossen abstellte.

Ein schmiedeeisernes Gitter im Innenhof und Verzierungen über den Türen zeugen noch vom einstigen Glanz, doch die Garagen, Autowerkstätten und der düstere Innenhof wirken eher schmucklos, wie vieles, was einmal präsentabel war im Tal der Wupper.