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„Das Riechen kann zum Fanatismus werden“

„Das Riechen kann zum Fanatismus werden“

Parfümerie-Inhaber Frank Müller arbeitet nicht nur beruflich mit Düften, er sammelt sie auch. Der älteste ist aus dem Jahr 1820.

Elberfeld. Die eigentlichen Schaufenster in der Parfümerie Müller findet man drinnen: Duftstreifen, die sofort Bilder im Kopf entstehen lassen - salzige Meeresluft, Beeren und Blätter. Herr der Düfte ist Frank Müller. Er verkauft sie nicht nur, er sammelt sie auch. Rund 3500 sind es inzwischen, der älteste aus dem Jahr 1820. Wobei ihn nicht nur die Düfte an sich faszinieren, sondern auch die Geschichten, die es darum gibt.

„Das hier zum Beispiel ist der Roy de Soleil, der Sonnenkönig“, sagt Frank Müller. Kreiert hat ihn die Modemacherin Elsa Schiaparelli. Und den Flakon aus Bleikristall, eine Fächerflasche, gekrönt von einer Sonne, hat Salvador Dali entworfen. Die beiden sollen sich eine Zeit lang sehr nahe gestanden haben. „Es gibt da Gerüchte“, sagt Müller. „Drei oder vier Stück gibt es auf dieser Erde. Was ich hier habe, ist eine Replik, aber auch davon gibt es nur sechs.“

Die Geschichte der Düfte habe es ihm angetan, wer hat einen Duft wann wem gewidmet? Der Duft selbst sei vergänglich. Müller: „Nach 15 bis 20 Jahren kann man ihn nicht mehr riechen.“ Aber über Düfte erzählen kann Müller stundenlang.

Und so war auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) auf ihn zugekommen, als er eine Wanderausstellung zu dem Thema machen wollte. Das war Anfang der 90er, und die Ausstellung war etwa zehn Jahre lang unterwegs, an 19 Stationen zu sehen. In dem Zusammenhang ist auch das Buch „Parfüm. Aspekte der Duftkultur“ entstanden, an dem Müller mitwirkte und das 5500 Jahre Duftgeschichte behandelt. „Das einzige wissenschaftliche Buch zum Thema, das ich kenne. Andere sind alle werblich belastet.“ Und auch ein zweites Buch sei erwähnt, bei dem Müller die Herausgeberin unterstützte: „Lippenstift. Ein kulturhistorischer Streifzug über den Mund“.

Düfte sind für Müller eine Sucht geworden, sagt er. Und zwar nicht nur jene, mit denen er beruflich umgeht. Viel stärker als die meisten nimmt Müller seine Umwelt auch mit der Nase wahr. „Meine Frau und ich, wir gehen gerne spazieren. Auch gerne nachts. Wenn die Augen weniger melden, werden Ohren und Nase empfindlicher“, berichtet er. Das schärfe den Geruchssinn und man lerne, Gerüche zu unterscheiden. „Da merkt man etwa im Wald, wie unterschiedlich Laub- und Nadelbäume riechen. Oder beim Essen. Erstmal muss ich eine ganze Weile riechen. Bei uns werden keine getrockneten Kräuter mehr verwendet, nur frische. Es muss nichts Besonderes sein, nur einfach gut.“

Und der Fahrt mit dem Auto zieht Müller jene auf dem Motorrad vor, bei der er Wald oder Felder direkt in der Nase hat. Müller: „Riechen kann zum Fanatismus werden. Die Veranlagung, Talent ist Voraussetzung, dann kommt viel Training. Ich denke, im vorletzten Leben war ich ein Hund.“

Ob er gerne mal selbst einen Duft kreieren würde? Das wäre reizvoll, gedacht habe er schon mal daran, erklärt der Parfümerie-Inhaber. Auch entsprechende Seminare besucht. Konkrete Pläne aber gebe es nicht. „Aber ein Duschgel habe ich schon mal gemacht. Für ganz viele liebe Freundinnen - eine Wasserball-Mannschaft.“

Wieder draußen, kann man gar nicht anders, als die Nase in den Wind zu halten. Und einfach mal schnuppern, was einem die Elberfelder Innenstadt entgegenweht.