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Vom Hauptbahnhof zum Fetentempel des Alfred Biolek

Vom Hauptbahnhof zum Fetentempel des Alfred Biolek

Die Geschichte des Barmer Bahnhofs geht ins Jahr 1847 zurück.

Barmen. Sonderzug nach — nein, nicht Pankow, sondern nach Barmen: 400 Kulturfreunde aus Köln hatten am 22. März 1991 den Intercity gebucht und die Bundesbahn per Finanzspritze überredet, dort zu halten, wo sonst eigentlich kein Schnellzug Station machte. Ziel der rheinischen Liga war der Barmer Bahnhof selbst, denn dort sollte eine große Party steigen.

Die Erfolgsgarantie für die Fete lieferten die Organisatoren, eine Gaststätten- und Veranstaltungsgesellschaft mit dem TV-Talkmaster Alfred Biolek und dem Jazz-Produzenten, Architekten und Salonlöwen Gigi Campi als Galionsfiguren. „Warum ausgerechnet in Wuppertal der Freude schönen Götterfunken entzünden, wo das Brennmaterial so schwer entflammbar ist?“ So fragte Elke Bierther in der damaligen Festschrift zur Eröffnung von Bioleks Bahnhofs und gab sich selbst die schlüssige Antwort: „Darum!“

Dass hinter der Wahl noch eine andere Geschichte steckte als der schlichte Versuch, gegen den Strom zu schwimmen, zeigt der Blick zurück in die Geschichte: 1847 hatte Barmen als Station der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft sein erstes Bahnhofsgebäude erhalten. Seit 1905 „Barmen Hauptbahnhof“ genannt, wurde das Gebäude schließlich abgerissen, um einem pompösen neoklassizistischen Neubau aus Muschelkalk zu weichen.

Begonnen wurde im Oktober 1911 nach Plänen von Alexander Rüdell. Die Bauarbeiten waren zwei Jahre später beendet. Mit dem Wuppertaler Hof gleich gegenüber wurde das touristische Ensemble 1931 perfekt.

Rundbogenfenster, Pilaster, Dreiecksgiebel und ionische Säulen des Bahnhofs sind ebenso Anleihen der Antike wie die symmetrische Gliederung der Gebäudeflügel. Gerade sie erschließt sich heute nicht mehr, nachdem der östliche Trakt während der Bombenangriffe des Jahres 1943 getroffen worden war. Während des Zweiten Weltkriegs (1939-45) änderte sich auch der Fahrplan: Schnellzüge hielten beispielsweise bald nur noch in Elberfeld.

Zum Glück aber steht das Haus seit dem 1. Juli 1988 unter Denkmalschutz. Damit öffnete sich auch die Tür für eine zweite und dritte Karriere des Empfangsgebäudes.