Die Familie Döpps ist aufs Lama gekommen

Die Familie Döpps ist aufs Lama gekommen

Annelie und Stefan Döpp leiten auf ihrem Bauernhof eine Jugendhilfestelle — mit vierbeiniger Unterstützung.

Marpe. Es ist eine bunte Truppe, die da friedlich grasend auf der Weide steht: zwei Esel, zwei kleine Ponys, eine ganze Reihe Lamas, und mittendrin sitzt Kater Herbert. „Lamas sind keine aggressiven Tiere“, sagt Annelie Döpp. „Die suchen alle ihresgleichen und gehen sich sonst aus dem Weg.“

Foto: Anna Schwartz

Genug Platz gibt es wahrhaftig an der Marpe, und der ist auch nötig: Denn Annelie und ihr Mann Stefan Döpp beherbergen auf dem Bauernhof, der schon ihren Eltern gehörte, insgesamt zwölf Lamas, neben Eseln und Ponys noch Ziegen, Schafe, Hunde und Katzen.

Sie alle wären nicht da, wenn Döpps nicht ein großes Herz für Tiere hätten. Aber sie erfüllen auch eine Aufgabe, denn die beiden gelernten Erzieher betreiben eine Jugendhilfestelle — und die Vierbeiner werden in die Arbeit mit den jungen Leuten eingebunden. „Tiergestützte Aktivitäten“ nennt Stefan Döpp das.

„Die Tiere haben eine unglaubliche Wirkung“, sagt Annelie Döpp und erzählt von einem hyperaktiven Jungen, der im Schafstall lernte, ganz ruhig zu stehen, weil nur dann die Tiere zu ihm kamen. Aber auch der alltägliche Umgang, das Füttern und Pflegen, gebe den Jugendlichen viel — egal, ob es nun Kater Herbert, Ziege Heinrich oder Lama Atlas ist.

„Tiere sind neugierig, sie werten nicht und lehnen niemanden ab“, erklärt Annelie Döpp und schwärmt vom Charakter der Lamas. „Wenn die Mädchen mit ihnen spazieren gehen, ist das ein tolles Gefühl für sie, Verantwortung zu tragen.“

Die Idee, eine Jugendhilfestelle aufzubauen, entstand vor rund zehn Jahren. Damals arbeite Stefan Döpp noch als Hockeytrainer, seine Frau als Krankenschwester. Dann sollte der elterliche Hof — damals noch mit Milchwirtschaft und Reitbetrieb — verkauft werden. „Da wuchs der Wunsch, etwas Neues aufzubauen“, erinnert sich Annelie Döpp.

Jetzt kümmern die beiden sich nicht nur um ihre Tiere, sondern auch um bis zu zehn Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren, die ihnen vom Jugendamt zugewiesen werden und die in verschiedenen Wohnformen bei ihnen untergebracht sind. Es gibt fünf Mitarbeiter, darunter die eigene Tochter, und auch die Eltern helfen mit. „Wir haben zwar keine geregelten Arbeitszeiten mehr, aber es ist sehr viel befriedigender als vorher“, sagt sie lächelnd.

Die Lamas kamen vor einigen Jahren spontan dazu: „Mein Mann wachte irgendwann auf und wollte eins haben“, erzählt Annelie Döpp und schüttelt den Kopf: „Ich dachte erst, das vergeht wieder. Aber ein paar Tage später war er Mitglied im Lama-Verein.“ In dem gehört er mittlerweile zum Vorstand — und statt eines Lamas wurden es ein paar mehr.

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