Springmann-Sohn hatte Angst vor Giftanschlag auf seine Eltern

Springmann-Sohn hatte Angst vor Giftanschlag auf seine Eltern

Landgericht: In seiner Video-Aussage brachte der Sohn auch die Freundinnen seines Vaters ins Spiel.

Der Sohn des ermordeten Unternehmerpaares, hatte seiner Mutter nach eigenem Bekunden bereits vor ihrem Tod mitgegeben: „Pass auf, dass ihr nicht vergiftet werdet.“ Das geht aus seiner Aussage hervor, die am dritten Tag des Springmann-Prozesses am Landgericht als Videoaufzeichnung vorgespielt wurde. Demnach hatte der 56-jährige schon vor dem tragischen Tod seiner Eltern Angst, dass diesen nach dem Leben getrachtet wird. In dem Zusammenhang berichtete er auch von den „Damen“ seines Vaters, der in dieser Hinsicht ein „sehr bewegtes Leben“ geführt haben soll.

Auch Enno Springmann (91) selbst soll nach dieser Aussage Angst um sein Leben gehabt haben. Nachdem er mehrfach nachts Einbrecher vor seinem Schlafzimmerfenster gesehen haben wollte, ließ er nach Kenntnis des Sohnes Panzerglas einbauen. Schon immer habe Enno Springmann gesagt: „Ich werde irgendwann einmal umgebracht.“

Die Aussage warf ein helles Licht auf die komplizierten Familienbeziehungen im Hause Springmann. So hatte der Sohn seit einem heftigen Streit über das Familienunternehmen nur noch Kontakt zu seiner Mutter. Auch die Beziehung zwischen Christa und Enno Springmann sei eine besondere gewesen. „Meine Eltern hatten einerseits ein sehr enges Verhältnis, andererseits bewegten sie sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen“, sagte er. Das habe sich besonders durch den Kontakt zu „gewissen Damen“ gezeigt, die sein Vater noch bis zuletzt besucht haben soll. „Meine Mutter zeigte sich da unterwürfig, wie es nicht der Norm entspricht“, sagte er aus. Er habe das immer als „krass und daneben“ empfunden. Auf seine Sorgen um die Eltern angesprochen, machte er auch keinen Hehl daraus, dass er mit Hinblick auf die Struktur der elterlichen Finanzen Motive „für jeden Hinz und Kunz“ sehe, einen Mord zu begehen.

Einem traut der Immobilien-Unternehmer die Tat offenbar aber nicht zu: seinem Sohn (26), der zusammen mit einem Mann auf der Anklagebank sitzt, der in den Augen der Staatsanwaltschaft sein Mord-Komplize war. Ungefragt ließ er in der Vernehmung den Satz fallen: „Ich gehe nicht davon aus, dass es mein Sohn wirklich war.“

Gleichwohl war auch das Vater-Sohn-Verhältnis in der jüngeren Springmann-Generation seit rund fünf Jahren schlecht. Seit der Trennung von seiner Frau sei auch der Kontakt zu seinem inzwischen in Untersuchungshaft sitzenden Sohn fast gänzlich abgebrochen. Grund war ein tätlicher Angriff aus der Zeit der Trennung. So sollen ihm seine Ex-Frau und der Sohn auf der Straße aufgelauert haben. „Meine Ex-Frau hatte einen Holzhammer und schlug mir damit meine Tasche aus der Hand“, berichtete der 56-Jährige. Daraufhin habe sein Sohn ihn am Hals gegriffen und an eine Hauswand gedrückt, so dass er keine Luft mehr bekam. Nur durch einen Kniestoß und laute Hilferufe habe er sich befreien können. Die Amtsrichterin, die die Befragung schon vor Monaten durchgeführt hatte, fragte in dem Video, ob es häufiger zu solchen tätlichen Angriffen gekommen war. Man habe ein „lebendiges Verhältnis“ gehabt, lautete die Antwort. Es sei verbal gestritten und „auch mal etwas geworfen worden“. Doch: „In diesem Fall wurden eindeutig Grenzen überschritten.“ Ein überzeugendes Motiv für den Angriff lieferte die Aussage nicht. Er vermute, dass er mit dieser Aktion unter Druck gesetzt werden sollte, wieder nach Hause zurückzukehren. Eine Anzeige habe er nicht erstattet.

Interessiert war die ermittelnde Amtsrichterin auch an den finanziellen Flüssen zwischen dem angeklagten Enkel und seinen Großeltern. Schließlich geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Enkel und sein mutmaßlicher Komplize das Ehepaar aus Habgier in dessen Ronsdorfer Anwesen getötet haben sollen, weil die Großeltern ihm gedroht haben, den Geldhahn zuzudrehen.

Der Vater des Angeklagten berichtete davon, dass seine Eltern den Enkel immer wieder finanziell unterstützt hätten. Und dann gebe es da noch eine größere Summe Geld, die über Jahre auf einem Konto schlummerte, an das der Angeklagte stets nur mit der Unterschrift der Großeltern Zugriff gehabt haben soll. Das habe sich jedoch, so der Kenntnisstand des Sohnes, irgendwann geändert, so dass der Enkel plötzlich über das Geld verfügen konnte. Das habe ihn beunruhigt. Auch weil der Student plötzlich mehrere teure Autos fuhr.

Beim letzten Treffen mit seiner Mutter habe diese davon berichtet, dass sich das Verhältnis zum Enkel verschlechtert habe. Grund waren die offenbar nicht erbrachten Studienleistungen des 26-Jährigen.

Dass Enno Springmann 2016 sein Testament neu strukturiert haben soll, davon habe er zwar gehört, wisse aber nichts zu den Inhalten.

Der Prozess wird am Montag, 16. April, fortgesetzt.

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