Wuppertal: Springmann-Prozess: Enkel sei „ein lieber Junge, aber zu protzig“

Wuppertal : Springmann-Prozess: Enkel sei „ein lieber Junge, aber zu protzig“

Im Prozess um die Springmann-Morde berichtet ein Polizist von der Vernehmung des 45-jährigen Mitangeklagten als Zeuge. Außerdem ging es um angebliche fingierte Polizeibriefe.

Wuppertal. Am 15. Verhandlungstag im Springmann-Prozess stand eine Vernehmung am Krankenbett im Mittelpunkt. Dort lag im Mai 2017 der 45-jährige Angeklagte, der mit dem Springmann-Enkel (26) das Unternehmerpaar Christa und Enno Springmann ermordet haben soll. In der Klinik wurde er wegen Verletzungen behandelt, die er bei einem SEK-Einsatz gegen ihn erlitten hatte. Von der Vernehmung berichtete ein Polizeibeamter.

Zuvor wurden abermals die vermeintlich anonymen Zuschriften an den Springmann-Sohn und dessen Ex-Ehefrau Thema — tatsächlich hatte die Polizei sie verfasst. Auf Zeitungsartikel zum Mord war der Name des Enkels notiert — mit dem Vermerk„Warum nur?“

Wie die Verteidiger aus der Akte zitierten, hat die Polizei dies veranlasst, um „die Telefonüberwachungsmaßnahmen zu beleben“. Die Anwälte erklärten, die Aussagen des Sohnes dürften nicht verwertet werden, da er getäuscht worden sei. Sie beantragten Auskunft der Staatsanwaltschaft darüber, ob es „weitere nicht vorgesehene Methoden“ gab. Auch gegen die Zeugenaussage zur Vernehmung im Krankenhaus gab es Einwände. Die Polizei habe nicht geklärt, ob der 45-Jährige vernehmungsfähig und nicht durch Medikamente beeinträchtigt war, monierten die Verteidiger des 45-Jährigen. Das Gericht entschied nach kurzer Beratung, den Beamten trotzdem zu hören. Es will später entscheiden, ob es die Aussage verwerten darf oder nicht.

Der 45-Jährige war Ende April 2017 von einem Sondereinsatzkommando gestellt worden, weil er unerlaubt Waffen gekauft haben soll. Bei dem Einsatz kam es zu einem Autounfall, bei dem er verletzt wurde. Weil die Polizei Fragen an ihn wegen des Springmann-Mordes hatte, vernahm sie ihn im Krankenbett als Zeugen.

Dort habe er berichtet, so der Polizist, dass er den Springmann-Enkel über dessen Halbbruder kenne. Der Enkel habe sich für die Firma interessiert, die der 45-Jährige damals führte. Das Unternehmen habe Stromverträge verkauft. Im Juli 2016 hätten sie beschlossen, gemeinsam eine solche Firma zu führen. Sie hätten sich über einen Dienstwagen für den 45-Jährigen geeinigt — einen „höherwertigen BMW“, der 1300 Euro Leasingrate im Monat gekostet habe. Der 45-Jährige habe erst 1400 Euro Gehalt bekommen, ab Oktober 2016 dann 2000 Euro im Monat.

Nach einer Beschreibung des Enkels gefragt, sagte der 45-Jährige laut dem Polizisten, „dass er ein lieber Junge sei, der aber in griechischen Szene nicht ganz so akzeptiert wurde, weil er viel zu protzig auftrat und zeigte, dass er Geld hatte“. Sie hätten den Zeugen auch gefragt, ob er dem Enkel den Mord zutraue. Der habe verneint, „weil der Enkel viel zu viel Angst hatte“.

Der 45-Jährige selbst habe auf einen Medienartikel hingewiesen, der ihn mit dem Mord in Verbindung brachte. „Er sagte, er könne sich das nicht erklären, er habe nichts damit zu tun“, berichtete der Polizist.

Thema waren auch Kontakte des 45-Jährigen mit dem Enkel am 19. März 2017, dem Tag, als die Springmanns zuletzt gesehen wurden. Der Enkel habe ihn gegen 15/15.30 Uhr angerufen, aber nicht erreicht, sei die Auskunft des 45-Jährigen gewesen. Gegen 19/20 Uhr hätten sie wegen des Dienstwagens telefoniert. Der Enkel sei sauer gewesen, dass sich der Wagen nicht an einer bestimmten Stelle befand.

„Dann haben wir noch Speichelproben auf freiwilliger Basis entnommen. Die hat er ohne Zögern gegeben“, sagte der Beamte.

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