Opernhaus: Ein Schuss, ein Pascha und ganz viel Applaus

Opernhaus: Ein Schuss, ein Pascha und ganz viel Applaus

In Barmen gab es Bravo-Rufe für die kontrastreiche Inszenierung von Jakob Peters-Messer.

Wuppertal. Wenn Prinz Ali, Fürst von Basra, und Rezia, Prinzessin von Persien, nach Flucht und Trennung einander in Kairo selig in die Arme schließen, ist die Opernwelt wieder in Ordnung. Aus einem schwachen Libretto, basierend auf einer frühen Gluck-Oper, hat Joseph Haydn 1775 zu „L’ incontro improvviso“ zauberhafte Musik geschrieben.

In Wuppertal wählte man den freien Titel „Unverhofft in Kairo“ und die früheste deutsche Übersetzung — damit den größtmöglichen Kontrast zu gesprochenen türkischen Texten, die Jakob Peters-Messer in seiner Inszenierung dem Pascha von Ägypten (Selim Dursun) in den Mund legt. Im so genannten „Freeze“ erstarren die Handelnden stets, wenn des Paschas Rede anhebt.

Spannungssteigernd wirken die mit feierlichem Ernst vorgetragenen und von der Kurzhalslaute Ud (Ibrahim Emin Izialp) begleiteten Texte, die die Handlung beschreiben und die Wandlung des Wütenden zum gnädig Vergebenden sinnfällig machen. So gelingt es im Barmer Opernhaus, den Schwerpunkt Türkei, den die Bühnen für diese Spielzeit wählten, nicht nur mit Hilfe einer Bauchtänzerin (Christiane Overath) deutlich zu machen.

Nicht zum Schwerpunkt passend ist die Bühnenausstattung von Markus Meyer: Der Transport in eine 50er-Jahre-Welt trägt auch unter dem Aspekt der Parodie nicht. Im drehenden Zylinder mit Kachel-Dekor erreichen die Akteure mit Swimmingpool-Trittleiter die lilafarbene Couch im Harem oder treffen sich unterm Kamel vor abstraktem Blumenmuster. Die stärksten Szenen spielen sich jedoch vor allen Aufbauten auf flachem Grund ab.

Haydns Musik also bleibt der Mittelpunkt. Sie vereint Liebende mit innige Arien, lustige und übermütige Canzonen sowie dramatische Ensembles. Das zauberhafte Terzett der drei Damen im Harem (Banu Böke als Rezia, Dorothea Brandt und Miriam Scholz als ihre Vertrauten) überzeugt in hohem Maße. Miriam Scholz ist ihre Erkältung nur in einigen Spitzentönen anzumerken.

Christian Sturm liefert Höhepunkte mit strahlend leichtem Tenor als Fürst Ali. Banu Böke steht ihm mit klarem Sopran und geschliffenen Koloraturen nicht nach. Alis gefräßiger Diener Osmin (Boris Leisenheimer) konnte seinen komischen Part am Samstagabend gegenüber der Remscheider Premiere im Oktober 2010 mit viel Spielwitz auch in seiner grotesken Arie, in der er das prächtige Bankett lobt, füllen.

Überhaupt scheinen die Sängerinnen und Sänger wie beflügelt von dem unter Florian Franneks Leitung ebenso zupackend wie subtil aufspielenden Wuppertaler Sinfonieorchester. Davon profitieren auch die Nebenrollen: Miljan Milovic als betrügerischer Qalander und die Herren vom Opernchor (Einstudierung Jens Bingert), etwa mit ihrem witzig-schmissigen Lied der bettelnden Derwische mit Sammelbüchsen-Klapperbegleitung.

Zum Schluss legt die Regie nochmal in Sachen szenischer Ausgestaltung nach: Rasche, ruppige Musik und ein Schuss mit Knalleffekt begleiten Gefangennahme und Todesdrohung der Fliehenden. Erst das türkische, a cappella gesungene Lied Rezias stimmt den Pascha um und führt zum freudigen Finale. So gab es am Samstagabend häufigen Zwischen- und lang anhaltenden Schlussapplaus mit Bravo-Rufen. Die Oper (2 ½ Stunden, eine Pause) ist wieder am 6. Februar um 15 Uhr zu sehen. Karten gibt es unter Telefon 569 4444.

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