Märchenhafte Absichten: "Das kalte Herz"

Märchenhafte Absichten: "Das kalte Herz"

Familienstück: „Das kalte Herz“ feiert am Samstag im Opernhaus Premiere. Regisseur Philip Stemann holt den Schwarzwald nach Barmen.

Barmen. Wenn Regisseur Philip Stemann Theater macht, gilt eine klare Devise: "Es ist spannender, auf der Bühne Fragen zu stellen, statt Lösungen anzubieten." Da stellt sich natürlich die Frage, was "Das kalte Herz" damit zu tun hat. Die Antwort ist nicht die Lösung aller Probleme, aber ein Hinweis darauf, dass das Publikum mit einem offenen Ende rechnen könnte: Das märchenhafte Schauspiel ist Stemanns erste Regiearbeit in Wuppertal und gleichzeitig ein Versuch, "zum Nachdenken anzuregen. Wir wollen dem Stück nicht mit einem klaren Happy End einen Alles-wird-gut-Stempel aufdrücken."

Schließlich richtet sich die Inszenierung, die heute um 18 Uhr im Opernhaus Premiere hat, an die Älteren unter den jüngeren Gästen und soll deshalb auch eine Botschaft transportieren, die nicht kindisch, aber trotzdem für junges Publikum verständlich ist: Aus Sicht des Produktionsteams gibt es nicht viele Erzählungen, bei denen "so klar im Hintergrund steht, dass Geld allein nicht glücklich macht, Reichtum auch verpflichtet und für ein menschliches Miteinander andere Werte als Besitz vonnöten sind".

Zu dieser Erkenntnis können Zuschauer ab zehn Jahren gelangen. Deshalb bieten die Bühnen - wie schon im Vorjahr - nicht nur ein Weihnachtsspiel, sondern zwei verschiedene Adventsstücke an: "Das kalte Herz" soll die älteren Jung-Zuschauer schon jetzt in Barmen erwärmen, die "Steinsuppe" wird dann ab dem 26. November Gästen ab fünf Jahren im Kleinen Schauspielhaus serviert.

"Wenn man die Möglichkeit hat, sich etwas zu wünschen, ist es gar nicht so einfach, auch etwas mit Verstand zu wünschen" - das ist für Sven Kleine, der "Das kalte Herz" als Dramaturg betreut, eine der wichtigsten Aussagen der Geschichte um Neid, Gier und Gefühllosigkeit (siehe Kasten).

Stemann konnte sich zwar nicht wünschen, welches Stück er auf die Bühne bringt, war aber "sehr erfreut", als ihn Theater-Chef Christian von Treskow mit der märchenhaften Mission beauftragte. Der Regisseur, der - wie Christian von Treskow - an der Ernst-Buch-Hochschule in Berlin studiert hat, setzt auf die Fassung von Helmut Werner und damit ganz bewusst auf kein allzu modernes Vokabular. "Ein Märchen will einen auch entrücken, darum bleiben wir bei der alten Sprache." Und deshalb spielt sich das ganze Theater auch in einem Märchenwald ab, der die Gäste atmosphärisch verzaubern soll.