„Das Schauspielhaus darf nicht dem Verfall überlassen werden“

„Das Schauspielhaus darf nicht dem Verfall überlassen werden“

Wuppertaler Bühnen: Die Theaterfreunde stellen sich an die Spitze der öffentlichen Diskussion.

Wuppertal. Spekuliert die Stadtspitze auf das Zauberwort Public Private Partnership, hofft sie auf einen privaten Träger, der das Schauspielhaus übernimmt und es den Wuppertaler Bühnen dann regelmäßig für Gastspiele überlässt, setzt sie darauf, dass das Land das ihrige dazu beiträgt, sieben Millionen Euro für die notwendige Sanierung überweist und damit das Gebäude rettet?

Oder hat sie vielleicht schon eine Alternative in der Hinterhand, also eine kleine Bühne im Blick, auf der das Schauspiel-Ensemble Theater machen könnte, wenn im Gebäude an der Kluse demnächst ein anderer regiert?

Es gibt viele offene Fragen und denkbare Modelle. Nur konkrete Antworten gibt es bislang nicht. "Wir wollen den Prozess bewusst offen halten", betont Fördervereins-Vorsitzender Günter Völker, der gemeinsam mit der Stadtverwaltung nach einem neuen Nutzungskonzept für das Schauspielhaus sucht.

Der Vorsitzende der "Freunde der Wuppertaler Bühnen und des Sinfonieorchesters Wuppertal", kurz: der Theaterfreunde, führt eine Allianz an, die nun alle Bürger ins Boot holen will. Neben dem allgemeinen Wunsch, "möglichst viel Kultur in Wuppertal zu erhalten", geht es ihm - ganz konkret - vor allem um ein "städtebaulich herausragendes Gebäude": "Das Schauspielhaus darf nicht dem Verfall überlassen werden."

Klaus Jürgen Reese (SPD) ist - auf der anderen Seite des Bootes - "dankbar, dass sich die Theaterfreunde an die Spitze der Diskussion stellen". Auch Bernhard Simon, Fraktions-Chef der CDU, vertraut darauf, dass die Entscheidung zur Zukunft der Bühnen durch den öffentlichen Prozess transparent sei, unabhängig von der Stadt geführt werden könne und am Ende von einer breiten Mehrheit getragen werde.

Zumal anzunehmen ist, dass sich der Schulterschluss zwischen Stadtspitze, Theaterfreunden, Politikern und Bühnen-Geschäftsführung auszahlen dürfte, schließlich ist der 1200Mitglieder starke Förderverein seit 30Jahren nicht nur ein ideeller Unterstützer der Bühnen. "Natürlich sind wir bereit, einen - wie auch immer gearteten - finanziellen Beitrag zu leisten", sagt Völkers Stellvertreter und Vereins-Schatzmeister Peter H.Vaupel.

Wofür und wie viel Geld am Ende für die Sicherung der Wuppertaler Bühnen fließen könnte, sei jedoch noch vollkommen offen. So viel sei aber klar, sagt Völker: "Unabhängig von den Entscheidungen zur zukünftigen Finanzierung des Spielbetriebs steht bereits fest, dass die Wuppertaler Bühnen auch schon mit ihrem heutigen Finanzrahmen nicht in der Lage sein werden, das Schauspielhaus zu bespielen."

Kämmerer Johannes Slawig warnt indes davor, die Vertagung der Ratsentscheidung, die nun erst nach der Verabschiedung des Landeshaushaltes gefällt werden soll, womöglich zu missdeuten: "Es bedeutet nicht den Abschied aus den Vorschlägen des Haushaltssicherungskonzeptes, also von den Kürzungen der Betriebszuschüsse, sondern ist nur eine Verschiebung des Zeitpunktes der Entscheidung." Das gestrige Signal sei allerdings ein erster wichtiger Schritt gewesen.

"Endlich hat das Abwarten ein Ende und es wird etwas getan", sagt Ingrid Pfeiffer (FDP). Aus Sicht der SPD-Landtagsabgeordneten Dietmar Bell, Andreas Bialas und Josef Neumann müsse es gelingen, "das Schauspielhaus neben dem Spielbetrieb zu einem offenen Haus der Kunst und Kultur weiter zu entwickeln".