Jürgen Grölle: Der Sammler, das scheue Wesen

Jürgen Grölle: Der Sammler, das scheue Wesen

Jürgen Grölle hat vor vier Jahren seine Galerie eröffnet, pflegt liebevoll die Kunst und braucht ein bisschen Kommerz.

Wuppertal. Weltweit boomt der Kunstmarkt — selbst wenn man kein Auge auf millionenschwere Werke von Gerhard Richter und Francis Bacon geworfen hat. Doch ist dieser Boom auch nach Wuppertal geschwappt? Die Stadt hat ja eine lange und große Sammlertradition — wie sich im Von der Heydt-Museum an fast jeder Wand nachschauen lässt.

Jürgen Grölle (Jahrgang 1958) kennt den Kunstmarkt von zwei Seiten — als Künstler und als Galerist, sprich Händler. Als Maler und Musiker („Peter Kowald war ein Ziehvater für mich“) hat er bis in die 90er Jahre in Wuppertal in vielen Projekten gearbeitet. Dann ging die Maler-Karriere steil nach oben, er erhielt diverse Stipendien, hatte unter anderem einen Galeristen in Chicago.

Schließlich spielte er in der Zweiten Liga des Kunstmarktes, sagt er — und verlor die Lust. Denn das Klima wurde kalt und unfreundlicher: „Ich wollte nicht, dass das ganze Leben vom Karrieredenken durchsetzt wird.“

Da gab er lieber Kurse an der VHS und der Junior-Uni, machte von 2006 an ausschließlich Projekte mit langzeitarbeitslosen Jugendlichen und Erwachsenen. „Das hat irre Spaß gemacht, weil ich einen guten Zugang zu den Menschen habe. Wahrscheinlich bin ich tendenziell ebenso wenig gesellschaftlich linear und genauso schwer vermittelbar.“

2010 hat er seine Galerie pass:projekt in einem Hinterhof an der Friedrich-Ebert-Straße eröffnet — ausdrücklich nicht, um eigene Werke zu vermarkten, sondern um andere Künstler zu zeigen und international zu vernetzen. Er fühlt sich mit dem Neustart „unheimlich wohl“, hat sich auch über die Stadt hinaus einen Namen für zeitgenössische Kunst mit Qualität gemacht.

„Eine Sammlerszene gibt es auch heute noch in Wuppertal“, sagt Grölle. Doch er merkt, dass er mit der Galerie einen langen Atem brauchen wird. „Es ist toll, aber finanziell immer klamm.“ Denn der Sammler aus Leidenschaft sei selten geworden. Weiter verbreitet seien diejenigen, die in Kunst vor allem eine Geldanlage sehen. Und die, so sein Eindruck, fahren direkt durch zur Art Cologne oder Art Basel und legen locker richtig viel Geld auf den Tisch. „Von 50 000 Euro an bis ins Unermessliche“ — oft für junge Künstler, die gerade gepusht werden.

Sind Grölles Künstler etwa zu günstig? „Kann schon sein“, sagt er, „manche Leute meinen, das wäre dann nichts.“ Das Mittelsegment mit Preislagen von 8000 bis 15 000 Euro sei jedenfalls ganz schwierig. Werke um 2000 Euro gingen schon wieder. Doch zunehmend fassten jüngere Sammler zu ihm Vertrauen.

Noch trägt sich die Galerie nicht selbst, ein finanzielles Standbein sind da Kurse mit arbeitslosen Jugendlichen („Das reicht für die Miete“), ein anderes könnte die Vermietung von Werken an Unternehmen werden. Grölle ist „zuversichtlich“, sagt aber auch: „Ich bin richtig gut darin, Künstler bekannt zu machen, aber den Kaufmann muss ich noch besser lernen. Früher hatte ich dafür ja meine Galeristen.“

www.groelle.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung