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Sammler-Liebling gibt nicht auf

Sammler-Liebling gibt nicht auf

Der Galerist Peter Tedden bekam die Kündigung in der Carlstadt. Nun geht er auf Wanderschaft.

Die Bilker Straße könnte nach einer Idee von Oberbürgermeister Thomas Geisel zur „Straße der Romantik“ werden, denn Schumann und Heine haben hier ihre bestehenden oder zukünftigen Museen. Doch Geisel sollte schnell handeln, denn die Preise für Immobilien steigen rasant. Da müssen kleine Fische weichen. Das gilt für den Galeristen Peter Tedden von der Bilker Straße 6. Er hat 25 Jahre in diesem Viertel hinter dem Carlsplatz Kunst verkauft. Seine Galerie galt als Geheimtipp für junge Sammler. Jetzt wurde ihm gekündigt. Fristgerecht. Ende Dezember ist Schluss.

Peter Tedden, Galerist

Tedden ist Volljurist, arbeitete drei Jahre im damaligen Auktionshaus Krauth und ein viertes Jahr in der Düsseldorfer Niederlassung des Auktionshauses Phillips, deren Räume er übernahm. Seine Galerie stand unter einem idealistischen Stern. Er wollte mit Kunst handeln, die sich auch junge Familien leisten können. „Ich habe immer darauf geachtet, dass die Preise so moderat sind, dass ich mir selbst die Kunst hätte leisten können,“ sagt er zum Abschied. Er war der Liebling der Käufer mit der kleinen Geldbörse.

Tedden zeigte die Künstlerin Katja Pfeiffer, die heute Professorin in Wuppertal ist, zeigte Simone Lucas, die ihrerseits inzwischen bei Rupert Pfab teuer gehandelt wird. Der Galerist wurde so etwas wie die Mutter Ey der Carlstadt. Auch er hatte ein gehöriges Sitzfleisch, so dass manche Besucher dachten, er bilde mit seinem ausladenden Sessel eine Einheit. Um Tedden und seinen Sessel herum saßen in schöner Regelmäßigkeit junge Künstler und erfreuten sich an der warmen Bude.

Sie werden den Standort vermissen. Räume von 45 Quadratmetern für knapp 1000 Euro warm, wie Tedden sie zahlte, gehören längst der Vergangenheit an. Makler sprechen davon, dass die Preise in der Carlstadt jedes Jahr um 5 Prozent steigen und die Preisschraube immer höher wirbelt. Häuser auf dieser Straße werden derzeit für fünf Millionen Euro gehandelt.

Und Tedden? Er gibt nicht auf, sondern macht weiter, zumindest temporär. Das heißt, er schlüpft in einer Galerie unter, deren Galerist für ein, zwei Monate mal Pause machen will.

So gelingt es ihm, beim Photoweekend dabei zu sein, indem er beim Kulturmanager und Galeristen Matthias Ernstges an der Bürgerstraße 22 Fotos von Corinna Gertz zeigt.

Seine Freizeit verbringt der gekündigte Galerist weiterhin bei Vernissagen. So warf er soeben einen sehnsüchtigen Blick auf Bilder der Anzinger-Klasse in einer Ausstellung in der Altestadt 13. Denn eines steht für ihn fest: „Aufgeben will ich nicht.“ Tedden ist 62 Jahre alt.

Info: Die Galerie Tedden, Bilker Straße 6, Telefon 133528, schließt am 21. Dezember.