Konzept: Junior Uni baut mit neuen Kursen ihr Angebot aus

Konzept : Junior Uni baut mit neuen Kursen ihr Angebot aus

Seit dem Wintersemester werden Lehrkonzepte von Bildungswissenschaftlern angewandt. Davon profitieren sowohl die Kursteilnehmer als auch die Dozenten.

Wie ist der Wissensstand eines Zwölfjährigen? Wie vermittele ich Grundschülern das Planetensystem? Diese Frage stellen sich Bildungswissenschaftler, um Konzepte zu entwickeln, wie Fachwissen vermittelt werden kann. Die Forschungen der verschiedenen Fachrichtungen an der Bergischen Universität kommt jetzt der Junior Uni zugute. In Kooperation mit mehreren Fachdidaktiken werden seit dem Wintersemester mehr als zehn neue Kurse angeboten, darunter Didaktik und Geschichte der Mathematik, Didaktik der Geographie und Chemiedidaktik. Dabei agieren teilweise die Professoren selbst als Dozenten an der Junior Uni.

Die Junior Uni ist von Beginn an eng von der „großen Schwester“, der Bergischen Universität Wuppertal (BUW), begleitet worden. Seit diesem Semester sind aber auch die Bildungswissenschaftler der BUW eingebunden, die innerhalb der einzelnen Fächer erforschen, wie man Wissen am besten vermittelt. Fachdidaktik ist ein zentraler Bestandteil des Lehramtsstudiums. „Es ist ein großer Unterschied, ob man Deutsch, Sport oder Physik unterrichtet“, sagt Prof. Dr. Cornelia Gräsel vom Institut für Bildungsforschung in der School of Education. Sie ist die Prorektorin der Bergischen Universität Wuppertal und Vorsitzende des Wissenschaftlich-Pädagogischen Beirats der Junior Uni. In Mathe könne man zum Beispiel vieles über Visualisierung darstellen, in Deutsch funktioniere das nicht so gut.

Läuft die Testphase gut, wird
der Kurs fest eingeplant

Prof. Cornelia Gräsel betont aber, dass es in der Didaktik nicht so sehr um Methoden gehe, sondern auch darum, was die Kinder und Jugendlichen darüber wissen, was man ihnen beibringen will. Im Grundschulalter gingen viele Kinder davon aus, dass die Erde eine Scheibe sei. Das Hintergrundwissen sei für den Lehrenden wichtig, denn das fehlerhafte Wissen kann nur schwer korrigiert werden. „In der Didaktik muss man sich das Fach aus der Perspektive der Lernenden anschauen“, sagt Gräsel.

Von der Kooperation profitiert nicht nur die Junior Uni. Auch die Studenten der BUW haben die Möglichkeit, sich einzubringen. Ein Kurs unter Leitung von Prof. Christian Efing entwickelt im Wintersemester Kurskonzepte, wie man die deutsche Sprache für verschiedene Altersgruppen interessant gestalten kann. „Wenn sich die Konzepte eignen, sollen sie im Sommersemester im Kursprogramm der Junior Uni angeboten werden“, sagt Dr. Annika Spathmann, Prokuristin, wissenschaftliche Fachkoordinatorin und Dozentin in der Junior Uni.

Die Zusammenarbeit ist nach Ansicht von Spathmann für die Wissenschaftler „eine tolle Chance, unbürokratisch neue Lehrkonzepte mit jungen Menschen auszuprobieren“. Auch Prof. Cornelia Gräsel glaubt, dass die Studierenden von der Erfahrung in einem außerschulischen Lernort profitieren können: „Es ist ein schönes Feld, das die Schule ergänzt und in dem die Teilnehmer hochmotiviert sind, da sie sich die Kurse selbst aussuchen.“ Hinzu kommt die Ausstattung mit Materialen, von denen man in anderen Bildungseinrichtungen nur träumen kann. „In dem Kurs Chemiedidaktik experimentieren sieben- bis zehnjährige Kinder zum Beispiel mit Brennstoffzellen“, sagt Spathmann.

Aus der Kooperation mit der Fachdidaktik sollen – wie schon in der Vergangenheit – weitere Themen für Bachelor- und Masterarbeiten entstehen. In Evaluationen wird schon jetzt regelmäßig geschaut, ob die Qualität stimmt und ob die Junior Uni ihre Zielgruppe erreicht. Prof. Ernst-Andreas Ziegler und Dr. Ariane Staab, die Geschäftsführung der Junior, bewerten die Zusammenarbeit der Junior Uni mit der Bergischen Universität Wuppertal so: „Ohne die Unterstützung der Bergischen Universität hätten wir niemals so großen Erfolg.“

Auch die Bergische Universität schätzt die Junior Uni. Prof. Cornelia Gräsel spricht von einem sensationell tollen Angebot. An der BUW gebe es viele Menschen, die daran interessiert sind, mit der Junior Uni zusammenzuarbeiten. Sie sei eine wertvolle Bildungseinrichtung für Kinder aus bildungsfernen Haushalten, die bei Erkenntnisprozessen motiviert und unterstützt werde. „Die Junior Uni ist ein richtiger Schatz für die Stadt“, sagt Gräsel.

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