Julia Jones freut sich über „ganz tollen“  Einmal-Chor in Wuppertal

Konzert : Julia Jones freut sich über „ganz tollen“ Einmal-Chor

Die Stadt beweist bei „Halleluja! Wuppertal singt!“ in der Stadthalle ihre große Sangesfreude.

Bekanntlich ist Wuppertal eine ganz große sangesfreudige Stadt. Chöre und Chorgemeinschaften gibt es hier wie Sand am Meer. Und alle wollen am liebsten ihr eigenes Süppchen kochen – ist doch in dieser Stadt ganz klar. Jeder Sänger konzentriert sich auf seinen Verein. Ob sie woanders mitsingen wollen? Jedenfalls, als Generalmusikdirektorin Julia Jones erstmalig zu einem Publikumschor eingeladen hatte, kam man sich im Großen Saal der Stadthalle vor wie bei einem Treffen im erweiterten Familienkreis: Geschätzt 300 Gäste waren anwesend.

Publikumschor, das heißt: Alle, die im Auditorium sitzen, dürfen mitmachen. Und es machten alle mit. Pünktlich kam Alexander Lüken, künstlerischer Leiter der Kantorei Barmen-Gemarke, aufs Podium. Er war für das Warm-up zuständig. Nachdem sich fast jeder Besucher auf seine Bitte hin vorne vor der Bühne einen Platz gesucht hatte, gab es zur Einstimmung ein „Einsingen“ in Form von kleinen Gymnastikübungen und einem Anstimmen leichter Tonfolgen – natürlich im Stehen.

GMD muss mit dem Riesenchor intensiv arbeiten

Danach, als sich das Sinfonieorchester eingefunden und eingestimmt hatte, ging es auch weiterhin stehend richtig los mit „Halleluja! Wuppertal singt!“, so der Titel des Events. Das Weihnachtslied „Tochter Zion, freu dich“ war dran. Das kannte jeder. Jones war begeistert. Genauso verhielt es sich mit „Der Mond ist aufgegangen“. Die Strophen eins bis drei und sieben kamen aus allen Kehlen.

Bei den anderen populären Stücken ging es zu wie bei Chorproben. Jones musste mit dem Riesenchor arbeiten. Richard Wagners „Steuermann, laß die Wacht“ war nicht so bekannt. Jones sang vor, bis es klappte und schließlich lustig mit den Füßen gestapft wurde. Mit Georg Friedrich Händels „Hallelujah“ aus dem „Messias“ war sie erst zufrieden, als die Stimmen für sie kräftig genug waren. Jaques Offenbachs Cancan fehlte der Schwung. Beim zweiten Anlauf ging es dann viel besser. Am meisten musste an Giuseppe Verdis „Gefangenenchor“ gefeilt werden. Der erste Versuch ging ziemlich daneben, haperte es doch gewaltig an der italienischen Aussprache. Der Text wurde also zunächst gelesen. Ihr Kommentar dazu: „Ich merke, Sie haben das gut drauf“.

Das war nicht ihr einziges Kompliment während des nicht ganz 90-minütigen Gesangslehrgangs. Immer wieder erteilte sie Lob wie „super, ganz ganz toll, unglaublich“. Das spornte natürlich an.

Selbstredend legte sich bei allen Liedern das städtische Orchester professionell schmissig ins Zeug. War dieses städtische Sonderkonzert eine Eintagsfliege? In der kommenden Spielzeit steht zumindest nichts über eine weitere Auflage im Jahresprogrammheft.

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