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In Wuppertal zählen die Kirchgänger zu einer wachsenden Minderheit

Religion : Nur an einem Tag ist die Kirche voll

Die Hälfte der Wuppertaler sind Christen. In die Kirche geht eine kleine Minderheit.

Kerzen brennen, es duftet schon ein wenig nach Weihnachten in der Stadt. Doch für wie viele Menschen in Wuppertal hat der Advent, der sich vom lateinischen „adventus“ ableitet und mit Ankunft übersetzt werden kann, überhaupt noch eine christliche Bedeutung? Inklusive der Freikirchen und orthodoxen Gemeinden in der Stadt sind es weniger als 200 000 Wuppertaler, die einer christlichen Gemeinschaft angehören. Laut Statistik gehörten 2018 rund 183 000 Wuppertaler keiner christlichen Religionsgemeinschaft an.

Im Alltag spielt für den größten Teil der Wuppertaler die Religion eine Nebenrolle. Die Kirchenbänke bleiben leer, der demographische Wandel erscheint unaufhaltsam, betrachtet man den Altersschnitt der Kirchgänger. Eine Ausnahme bildet der Heiligabend. Das ist der einzige Tag im Jahr, an dem die Kirchenbänke voll sind.

Am 24. Dezember werden in den evangelischen Kirchen in diesem Jahr rund 80 Gottesdienste gefeiert. Am 1. Adventssonntag waren es nicht einmal halb so viel. „Wir haben 2018 die Kirchgänger gezählt. Zu den Heiligabendgottesdiensten kamen 22 900, das waren 24 Prozent unserer Mitglieder. Am 1. Advent waren es 4095, das sind nur vier Prozent“, sagt Pfarrer Werner Jacken.

Mehr als 90 000 Mitglieder zählt
der Evangelische Kirchenkreis

Die evangelische Kirche stellt in Wuppertal traditionell die größte Gruppe unter den Christen. Die Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises hatten Ende des vergangenen Jahres 92 704 Mitglieder.  Inzwischen dürften es  knapp mehr als 90 000 sein, denn 1500 bis 2000 registrierte Gläubige verliert die evangelische Kirche Jahr für Jahr. „Außerdem muss man noch 2000 bis 3000 Gläubige aus Dönberg hinzuzählen, die aber dem Kirchenkreis Niederberg angehören“, so Pfarrer Jacken.

„Die Tendenz bei den Katholiken ist leicht fallend“, beschreibt Pastoralreferent Werner Kleine die Entwicklung. Er schätzt, dass zehn Prozent der rund 78 000 Gläubigen regelmäßig die Gottesdienste besuchen und sich bis zu 20 Prozent am Gemeindeleben beteiligen. Zuwachs erhalten die katholischen Gemeinden durch die Zuwanderung aus Ost- und Südeuropa sowie aus Afrika. „Wenig bekannt ist, dass rund 20 Prozent der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten katholischen Glaubens sind“, sagt Werner Kleine.

Oliver Pfumfel, Leiter des Amtes für Wahlen und Statistik, kann bestätigen, dass die katholische Kirche im Gegensatz zur evangelische Kirche zahlenmäßig von der Zuwanderung profitiert. 2010 waren 2394 Katholiken aus Polen in Wuppertal gemeldet, 2018 waren es 3900. Leichte Zuwächse gibt es aus Kroatien, Italien, Ungarn und Rumänien. „Beide Kirchen sind allerdings davon betroffen, dass mehr Deutsche sterben als geboren werden und mehr Deutsche aus der Stadt wegziehen als nach Wuppertal kommen“, sagt Pfumfel.

120 Wiedereintritte
in die Kirche

Für viele Menschen ist das Weihnachtsfest zumindest eine Möglichkeit, wieder Kontakt mit der Kirche aufzunehmen. Rund 120 Wiedereintritte zählt der evangelische Kirchenkreis pro Jahr, und 2018 wurden 334 Kinder getauft. 450 bis 500 Jugendliche werden pro Jahr konfirmiert. „Heiligabend ist der Besuch sehr gut, am ersten Weihnachtstag stehen Familienbesuche im Mittelpunkt. Und für den zweiten Weihnachtstag müssen wir uns schon etwas wie die Singgottesdienste einfallen lassen, um die Menschen zu gewinnen“, sagt Werner Jacken.

Werner Kleine hat bei den Katholiken den gleichen Trend festgestellt. „Es gibt vier verschiedene Weihnachtsgottesdienste: Die Abendmesse, die nächtliche Weihnachtsmesse, die Hirten- oder Morgenmesse und dann das Hochamt am ersten Weihnachtstag. Das liegt darin begründet, dass der Papst früher in allen Basiliken Roms eine Messe halten sollte. Die Menschen haben sich verändert, die Liturgie zu Weihnachten nicht. Und so wird in manchen Gemeinden schon ab 17 Uhr die eigentliche Weihnachtsmesse gefeiert“, berichtet Kleine.

Unter dem Dach der katholischen Kirche in Wuppertal gibt es zum Beispiel polnische, italienische oder tamilische Gemeinden. Außerdem sind 21 freikirchliche Gemeinden in der Stadt präsent. Das orthodoxe Weihnachtsfest wird am 7. Januar gefeiert. In Wuppertal zählt die griechische Gemeinde rund 7000 Mitglieder, außerdem feiern dann die russische und serbische Gemeinde das Fest.