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Wuppertal: Geplante Park-App macht mehr bezahlpflichtige Parkplätze möglich

Wuppertal : Geplante Park-App macht mehr bezahlpflichtige Parkplätze möglich

Stadt will die Handy-App bis Ende des Jahres anbieten. Sensortechnik liefert die technische Grundlage für Erfassung der Autos.

Die neue Park-App der Stadt soll in erster Linie den Parksuchverkehr im Stadtgebiet minimieren und Autofahrer schnell und einfach zu freien Parkplätzen leiten. Aber: Wie die WZ im Gespräch mit Rolf-Peter Kalmbach, Abteilungsleiter der städtischen Straßenverkehrstechnik, erfuhr, liefert die neue Technik durch ihr integriertes Bezahlsystem auch die Grundlage dafür, Parkgebühren im Stadtgebiet flexibler zu erheben.

Kämmerer Johannes Slawig sieht an dieser Stelle mögliche Mehreinnahmen für die Stadtkasse. „Ich glaube, dass wir die Diskussion darüber führen müssen, die Parkgebühren anzuheben“, sagt er. Er spricht sowohl von der zeitlichen Dimension – also frühere und längere Zeiten mit Zahl-Pflicht – als auch von einer möglichen räumlichen Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung. In der Vergangenheit scheiterten ähnliche Vorstöße des Kämmerers am Stimmverhalten der Fraktionen im Rat. „Ich hoffe, dass die Diskussion durch die jetzige Technik eine neue Qualität erlangt“, sagt der Kämmerer.

Datenauswertung kann besseres Bilde der Lage schaffen

So sieht er durch die Auswertung der Daten in der App auch Potential dafür, die Parkgebühren zielgenauer zu erheben. Schließlich sollen künftig Sensoren an den Straßenlaternen den Parkverkehr messen, so dass die Stadt bald ein deutlich besseres Bild von der realen Situation auf der Straße hat. „Wir könnten dort das Parken teurer machen, wo der Bedarf am größten ist“, sagt der Kämmerer.

Das Potential ist groß. Abseits der Parkhäuser verlangt die Stadt Wuppertal in Barmen auf 772 und in Elberfeld auf 947 Parkplätzen eine Gebühr. Mit ihnen nimmt die Stadt nach Zahlen aus der Kämmerei jährlich konstant um die 2,1 Millionen Euro ein. Da ist aber noch Luft nach oben. In beiden Stadtzentren sind laut Kalmbach bislang 15 bis 20 Prozent der Taschen und Stellplätze am Straßenrand noch gebührenfrei. Mit der App wäre es möglich, auch dort Gebühren zu erheben, wo überhaupt keine Automaten stehen. Dazu wird aber erst ein politischer Beschluss nötig sein.

Der Einzelhandel steht solchen Plänen traditionell skeptisch gegenüber. Matthias Zenker, Vorstandsmitglied der IG1, sagt: „Die Parkgebühren zu erhöhen, ist wieder eine Maßnahme, die den Handel nicht gerade unterstützt.“ Bei anderen Wettbewerbern könne man vor der Tür frei parken und in Wuppertal wird über eine Ausweitung der Gebühren nachgedacht. Das sei ein falsches Signal.

Noch hält die Stadt daran fest, dass die App bereits Ende dieses Jahres erscheinen könnte. Auch wenn Kalmbach zugibt: „Das ist sportlich, keine Frage.“ Schließlich sind die Sensoren noch nicht an den Straßenlaternen angebracht. Sie überwachen Parkplätze und Straßenverkehr und liefern so die nötigen Daten für die App. Diese Dienstleistung muss noch ausgeschrieben werden.

App soll erst Innenstädte erfassen, dann erweitert werden

Die schwierige Lage auf dem Handwerker-Markt beunruhigt Kalmbach nur bedingt, weil er sagt: „Wir gehen derzeit einen solitären Weg.“ Andere Städte mit ähnlichem System bringen die Sensoren im Boden an. Die Wuppertaler App, die Autofahrer wie ein Navigationsgerät durch die Stadt leiten soll, findet dafür auch nicht einzelne freie Parkplätze, sondern zeigt dem Nutzer an, in welchem Straßenzug gerade etwas frei ist.

Bei der Veröffentlichung wird die Park-App nur den Parkraum rund um die Innenstädte in Elberfeld und Barmen erfassen. Sie soll aber laut Kalmbach sukzessive auch auf die Quartiere erweitert werden.

Die Programmierung der App soll nach derzeitiger Planung ein externer Dienstleister übernehmen. „Die Grundlagen dafür sind schon geschaffen“, sagt Kalmbach. Was das Bezahlsystem angeht, will sich die Stadt an überregionale Anbieter wie beispielsweise „Park now“ anhängen.

Mit der eigentlichen Parkplatzsuch-App will sich Wuppertal als Vorreiter auf dem Markt positionieren. Kalmbach glaubt, dass andere Kommunen auch sehr an dem System interessiert sein könnten.