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Fundsachen-Auktion: Rollstuhl sucht neuen Besitzer

Fundsachen-Auktion: Rollstuhl sucht neuen Besitzer

Nicht nur Handys und Schmuck sind heißbegehrt – auch Unterhosen und Glätteisen versteigert die Stadt.

Wuppertal. Kein Rückgaberecht, kein Umtausch, keine Garantie. Was sich nach extrem schlechten Kundenservice anhört, ist in Wirklichkeit eine prima Sache - wo sonst bekommt man ein Handy für zwei Euro? Diese Woche versteigerte die Stadt nicht abgeholte Fundstücke die in Bussen, Schwebebahn, Haltestellen und Bahnhöfen einfach vergessen wurden.

Das breite Angebot kann sich in der Tat sehen lassen: Von einem Universalmixer, über ein Zehner-Paket neuer Unterhosen, bis hin zu einem Haarglättseisen ist eigentlich alles dabei. Der Lichthof im Barmer Rathaus wirkt wie ein orientalischer Basar.

Zahlreiche Wuppertaler mit neongelben Karten ausgerüstet, verfolgen gespannt die Auktion. Andere beäugen die abgestellten Fahrräder, die noch auf ihre Versteigerung warten, sie prüfen die Reifen oder sitzen auf, um die richtige Größe herauszufinden. "Die gelben Karten sind dafür da, dass beim Bieten niemand übersehen wird," erklärt Elle Pudwell, die gleich vier Regenschirme auf einmal ergatterte.

Das klappt hervorragend - auch wenn gelegentlich nur "aus Versehen" der Arm gehoben wird, wie bei Manfred Lazke, der soeben ein Handy für acht Euro ersteigert hat, ohne es zu wollen. Nun gut - es wird sich schon eine Verwendung dafür finden.

Schwer fällt die Vorstellung, wie die ehemaligen Besitzer einige doch recht elementare Gegenstände vergessen konnten - wie etwa die sechs Kinderwagen, die nun auf einen neuen Besitzer warten. Auch ein verlassener Rollstuhl ist dabei, der für 16 Euro weggeht.

Heißbegehrt sind Handys, MP3-Player, Schmuck und auch ein motorisierter City-Roller aus USA. Für durchschnittlich 15 Euro wurden Fahrräder regelrecht "verscherbelt". Als absolutes Highlight ging ein silbernes Crossrad für 250 Euro über die "Bühne" - immer noch ein Schnäppchen, bei einem Neuwert von etwa 1000 Euro.

Die Sachen seien alle mindestens sechs Monate alt, erklärt Versteigerer Carsten Vorsich, Abteilungsleiter der allgemeinen Gefahrenabwehr. So lange werden sie aufgehoben, für den Fall, dass sich der eigentliche Besitzer meldet. Seit drei Jahren versteigert die Stadt die Fundstücke - mit großem Erfolg. "Manchmal ist der ganze Saal schwarz vor Menschen", freut sich Vorsich.

Übrig geblieben sei noch nie etwas. Die Versteigerung am Mittwoch hat wieder einige Wuppertaler glücklich gemacht. Die 13-jährige Myriam wollte schon immer ein ganz bestimmtes Handy haben, heute hat sie genau dieses ersteigern können und auch die dreijährige Maryam probiert begeistert die Klingel ihres neuen lila-pinken Kinderfahrrades aus.

Vorsich und seine Kollegen sind ebenfalls zufrieden. Insgesamt käme immer eine Summe zwischen 3000 und 4000 Euro zusammen. Das Geld fließt übrigens in den städtischen Haushalt.