Fast die Hälfte des Wuppertaler Waldes ist in privater Hand

Fast die Hälfte des Wuppertaler Waldes ist in privater Hand

Um ihre teils kleinen Flächen zu verwalten, haben sich 225 private Eigentümer in einer Betriebsgemeinschaft zusammengeschlossen. Das Forstamt hilft ihnen zum Beispiel beim Wegebau und bei der Holzvermarktung.

Ein Spaziergang im Wald gehört für viele Wuppertaler zur Freizeitbeschäftigung. Kein Wunder, gilt Wuppertal doch als eine der waldreichsten Großstädte Deutschlands. Doch dass man sich als Bürger ungehindert im Wald bewegen kann, ist nicht selbstverständlich. Denn 45 Prozent der 4850 Hektar Waldfläche gehören Privatleuten.

Dass man als Spaziergänger trotzdem nicht ständig vor einem Zaun steht, liege daran, dass es in Deutschland ein freies Betretungsrecht der Wälder gebe, sagt Sebastian Rabe, Abteilungsleiter Grünflächen und Forsten bei der Stadt. „Für den Laien ist es schwer zu erkennen, ob es sich um eine private oder beispielsweise städtischen Waldfläche handelt“, so Rabe. Wo sich die privaten Waldflächen im Stadtgebiet befinden, sei schwer zu sagen. Grundsätzlich verteilten sich diese quer über das Stadtgebiet, so Rabe. „Oft liegen die auch in Gemengelage mit den städtischen Waldstücken.“ Zum Teil sind die privaten Flächen sehr kleinflächig.

Eine Gemengelage, die nicht einfach zu verwalten ist. Schließlich müssen nicht nur Waldwege instand gehalten und umgestürzte Bäume entfernt werden. Damit die Privatbesitzer damit nicht alleine gelassen sind, gründete sich 1971 mit der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Wuppertal die laut Stadt erste anerkannte Forstbetriebsgemeinschaft in Nordrhein-Westfalen. Darin sind mittlerweile 225 Privatwaldbesitzer zusammengeschlossen. Sie werden vom städtischen Forstamt fachlich beraten, erhalten eine Waldbrandversicherung, Unterstützung bei der Beschaffung von Forstpflanzen und Aufforstung, bei der Bestandspflege, Holzernte und Holzvermarktung, Wegebau und Waldschutz.

Einer der Waldbesitzer ist Klaus Frische, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft, die als Verein anerkannt ist. „Wir sind aber nicht als gemeinnützig anerkannt, sondern erwirtschaften auch kleine Gewinne“, sagt Frische.

Auch sonst ist die Forstgemeinschaft kein typischer Verein. „Wir sind nicht wie ein Kegelclub“, so Frische. Es gehe hauptsächlich um die Beratung und Betreuung durch das Forstamt der Stadt bei der nachhaltigen Bewirtschaftung.

Die Gemeinschaftsaktivitäten des Vereins beschränkten sich hauptsächlich auf Mitgliederversammlungen und Fahrten zu Waldtagen. Einige Vereinsmitglieder hätten Wald als privaten Besitz erworben, die Mehrzahl habe die Waldflächen aber in zweiter oder dritter Generation geerbt. „Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt“, sagt Frische. Durch deren Beratung pflanzten die Vereinsmitglieder beispielsweise vor allem Laubbäume an und benutzten zertifiziertes Saatgut.

„Die privaten Wälder leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung unserer Verbraucher mit dem ökologischen und klimaneutralen Rohstoff Holz“, so Forstamtsleiter Sebastian Rabe. 3900 Kubikmeter Holz könnten allein in den Wäldern der FBG jährlich genutzt werden. Außerdem binden die Wälder der FBG laut Rabe jährlich 6000 Tonnen CO2, alle privaten Waldflächen in Wuppertal geschätzt sogar doppelt so viel. Auch für den Artenschutz sei die Zusammenarbeit mit der FBG wichtig. Der Anteil an Buchen- und Eichenwäldern sei mit 25 Prozent sehr hoch.

„Insgesamt stellen die privaten Wälder einen wichtigen Lebensraum für zahllose Tier- und Pflanzenarten dar und leisten somit einen wichtigen Beitrag für den Naturschutz in Wuppertal“, so Rabe. Die FBG ist in den vergangenen Jahren zwar leicht gewachsen, doch bisher deckt sie nur knapp die Hälfte des privaten Waldbesitzes in Wuppertal ab. Etwa 900 Hektar Wald sind sogar „herrenlos“, schätzt Forstamtsleiter Sebastian Rabe.

Das Problem: Mit jedem Erbe, das aufgeteilt wird, steigt die Zahl der Waldbesitzer. Manche wüssten nicht einmal, dass sie Waldflächen besitzen. Folgeprobleme entstünden vor allem dann, wenn solche „herrenlosen“ Waldflächen an Straßen oder Bebauung grenzten. „In diesen Fällen muss der Eigentümer dafür sorgen, dass von den Bäumen keine Gefahr ausgeht“, so Rabe. Immer wieder müsse die Stadt auf „herrenlosen“ Waldflächen“ eingreifen, „was aufwändig ist und unnötige Kosten verursacht.“

Auch Schädlinge wie der Borkenkäfer könnten sich in solchen Gebieten ungehindert verbreiten. Der FBG ist es deshalb ein Anliegen, noch mehr Waldbesitzer in den Verein zu holen. „Wir haben wieder ein paar neue Interessenten“, freut sich FBG-Geschäftsführer Klaus Frische bereits.

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