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Die Mauer am Döppersberg in Wuppertal und das Geld der Anderen

Offen gesagt : Das Geld der Anderen

Es ist höchste Zeit, dass in das Rathaus Kontrolle einzieht. Denn Geld ist Vertrauenssache, Vertrauen ist dringend erforderlich, vor allem für jene, die das Geld der Anderen ausgeben.

Die ewige Wiederkehr des gleichen löst selten höheren Pulsschlag aus. Aber wenn, dann richtig. In dieser Woche hat die Stadt Wuppertal das wieder einmal geschafft. Die optisch immer noch gewöhnungsbedürftige Mauer am neuen Döppersberg ist schnurstracks in die Schlagzeilen gebröckelt. Wer all den Rauch der verbalen Nebelkerzen beiseite pustet, muss nüchtern feststellen, dass das Bauwerk nicht einen Cent dessen wert ist, was es gekostet hat. Pfusch? Schlecht verarbeitet? Pech? Vermutlich etwas von allem. Nur eines ist das nicht: überraschend. Die Mauer ist schlicht nur ein weiteres Beispiel dafür, was alles geschehen kann, wenn die öffentliche Hand baut. Jüngere Beispiele gefällig? Der Von-der-Heydt-Platz kostet drei Millionen statt der geplanten eine Million. Der Betriebshof der städtischen Müllwerker am Klingelholl in Barmen sollte für 24 Millionen Euro hergerichtet werden, jetzt ist von mehr als 32 Millionen Euro die Rede. Und nun die Mauer. Mutmaßungen gab es schon lange, dass der Stein nichts taugt und dessen Verarbeitung auch nichts. Dem vehementen Dementi aus dem Rathaus folgte ein Gutachten, dem Gutachten die bittere Wahrheit. All das ist schon schlimm genug. Schlimmer wird es, wenn der zu erwartende Rechtsstreit mit dem seinerzeit beauftragten Unternehmen den üblichen Ausgang nimmt: Außer Spesen nichts gewesen. Die Stadt bezahlt. Nein, nicht die Stadt, alle Wuppertaler bezahlen, alle, die ihr Einkommen zum Teil, ihren Grund und Boden ganz in Wuppertal versteuern. Sie alle bezahlen die Zechen. Schon wieder. Wie immer.

Der Umbau des Döppersbergs hat die Stadt nach offiziellen Angaben etwa 150 Millionen Euro gekostet. Wuppertal hat ihn sich mit Heulen, Zähneknirschen und Hilfe vom Land vom Munde abgespart. Jeder Cent, der dort vergraben wurde, fehlt an anderen Stellen. Und in Wuppertal fehlen traditionsgemäß viele Cents. Dennoch war die Entscheidung für den Döppersberg die einzig richtige. Aber sie war und ist auch mit Verantwortung verbunden. Dieser Verantwortung sind die obersten Stadtverwalter schon nicht gerecht geworden, als sie ohne Not das imposante Geschäftshaus um mehr als 20 Meter nach Westen verschieben ließen, sie sind ihr nicht gerecht geworden, als sie den Döppersberg und das ehemalige Hotel Kaiserhof mit einer Brücke aus dem Baumarkt verbinden ließen, und allem Anschein nach hat auch die Qualitätskontrolle für die einzelnen Gewerke nicht funktioniert. Ob die schmucke Bahnhofshalle jemals wirklich regendicht sein wird, steht immer noch dahin.

Und nun die Mauer.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Niemand ist wirklich immer ohne Fehl und Tadel. Aber die Bau-Pannen von Städten lassen aufhorchen. Da bildet Wuppertal keine Ausnahme. Wären private Bauherren ähnlich nachlässig, könnte sich sehr wahrscheinlich niemand sein eigenes Haus leisten.

Deshalb ist es jetzt allerhöchste Zeit, dass ins Rathaus Kontrolle Einzug hält. Wie notwendig das ist, hat sich zuletzt gezeigt, als in den städtischen Kulturbetrieben plötzlich 750 000 Euro fehlten, weil niemand den vollständigen Überblick über die Ausgaben hatte.

Der Stadtrat ist dazu da, die Verwaltung zu kontrollieren. Die Verwaltung verfügt über ein unabhängiges Rechnungsprüfungsamt. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Arbeit aufzunehmen. Und es ist grundsätzlich notwendig, darüber nachzudenken, wie Arbeitnehmer auch im öffentlichen Dienst haftbar gemacht werden können, wenn sie fortgesetzt horrende Mehrkosten produzieren.

Geld ist Vertrauenssache, Vertrauen ist dringend erforderlich, vor allem für jene, die das Geld der Anderen ausgeben.