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Abriss nicht ausgeschlossen: Sicherung für Mauer am Wuppertaler Döppersberg

Wuppertaler Bahnhofsvorplatz : Abriss nicht ausgeschlossen: Mauer am Döppersberg muss gesichert werden

Die Steine sollen laut einem Gutachten falsch eingebaut worden sein. Sicherungsmaßnahmen seien schnellstmöglich erforderlich.

Die Stadt hat ein 103-seitiges Gutachten zur Naturstein-Fassade am Döppersberg vorgelegt. Die Gutachter kommen darin zu dem Schluss, dass der Stein falsch eingebaut wurde und Sicherungsmaßnahmen schnellstmöglich erforderlich sind. Rund drei Millionen Euro (2,5 Millionen Euro Herstellungskosten plus Mehrwertsteuer) hatte die Mauer am Döppersberg gekostet.

Der Gutachter spricht von einer Vorsichtsmaßnahme. Das bedeute nicht, dass die Fassade das letzte Jahr unsicher gewesen sei. Dezernent Frank Meyer erklärte am Montag, dass die Mauer nicht frostsicher sei. Es gehe nicht um die Standsicherheit der Mauer. Es bestehe aber die Gefahr, dass Mauerteile abplatzen und aus einer Höhe von bis zu sieben Metern auf Passanten fallen könnten. Der verwendete Stein passe nicht zu der Art des vorgenommenen Einbaus.

In welcher Art die Sicherungsmaßnahmen erfolgen, als Netz oder Gerüst, müsse mit der Arbeitsgemeinschaft der für den Hochbau verantwortlichen Firmen (Arge) noch besprochen werden. Meyer geht davon aus, dass diese Sicherungsmaßnahmen in Kürze geschehen müssen. Selbst eine komplette Demontage der Mauer konnte er am Montag nicht ausschließen.

Für die Projektleitung Döppersberg steht fest, dass die Fassade nicht den Anforderungen der damaligen Ausschreibung entspricht. Schon als erste Zweifel am fachgerechten Einbau der Natursteinfassade aufkamen, habe die Projektleitung Döppersberg vom bauausführenden Unternehmen eine Bestätigung für den fachgerechten Aufbau der Fassade gefordert. Damals hatte die Arge eine eigene Expertise und ein Prüfzeugnis des TüV vorgelegt, die die Eignung des ausgesuchten Steines und dessen sachgerechten Einbau in die Fassade bejahten.

Die FDP-Fraktion hatte bereits im April 2018 Zweifel an der Baumaßnahme geäußert. „Noch vor zwei Jahren hat die Verwaltung auf eine Große Anfrage der FDP in Sachen Beschaffenheit und Verarbeitung der Mauer am Döppersberg deren Mangelfreiheit attestiert“, sagt Alexander Schmidt, Vorsitzender der FDP-Fraktion. Nun belege ein Gutachten, dass sich alle Befürchtungen der FDP als wahr herausgestellt hätten. Die Stadt werde optisch und faktisch um Jahre zurückgeworfen, ein Gerichtsprozess sollte nun nach Kräften vermieden werden.

Das zweite Gutachten im Auftrag der Stadt bringt Klarheit

Die Westdeutsche Zeitung hatte Ende August 2019 den Stein ins Rollen gebracht, als sie mit Thomas Lange, Besitzer eines Steinbruchs in Sprockhövel, die Natursteinmauer in Augenschein nahm. Lange übte massive Kritik an der Wahl eines Jura-Kalksteins und an der Arbeitsweise.

Als Fachleute die Aussagen des ersten Gutachtens anzweifelten, beauftragte die Projektleitung Döppersberg einen eigenen vom Natursteinverband empfohlenen Gutachter, um „auf Nummer sicher“ zu gehen. Dessen Gutachten liegt nun vor: „Langfristig gesehen wird diese Fassade immer schadensträchtig bleiben, sie bedarf einer ganz besonderen, permanenten Überwachung“, heißt es darin. Für die Stadt bedeuten diese Aussagen, dass die Bauausführung im Bereich der Natursteinfassade mangelhaft ist. Deshalb wurde die beauftrage Baufirma jetzt aufgefordert, Konzepte für eine kurzfristige Sicherung der Fassade und schließlich auch für eine Sanierung vorzulegen.

Bau- und Planungsdezernent Frank Meyer: „Ich bin schon ziemlich sauer über diese Entwicklung. Wenn im Nachhinein solche Mängel bescheinigt und bestätigt werden, ist das mit viel Ärger für die Wuppertaler, aber auch für die Projektleitung und die Stadt Wuppertal verbunden. Hier muss für alle Beteiligten eine schnelle, aber vor allem gute Lösung gefunden werden.“ Die ist allerdings nicht in Sicht, wenn es zu einer langwierigen juristischen Auseinandersetzung kommen sollte.

Die Mauer hatte schon während der Bauarbeiten am Döppersberg zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. In diesen Diskussionen ging es um die Optik des Bauwerks.