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Corona Wuppertal: Gastronomie rechnet erst ab Juni mit Öffnungen

Pandemie : Wuppertaler Gastronomie stellt sich erst ab Juni auf Öffnungen ein

Auch in Wuppertal bereiten sich die Gastronomen auf den Neustart nach dem Lockdown vor. Doch die Dehoga erwartet, dass viele Wirte nicht mitmachen werden – und es werden skurrile Szenen in Hotels befürchtet.

In Städten und Kreisen wie Münster, Mülheim an der Ruhr oder dem Kreis Viersen war es am Wochenende schon so weit: Die Außengastronomie hatte wieder geöffnet und empfing Geimpfte, Getestete und Genesene zu Speisen und Getränken unterm Sonnenschirm. Auch in Wuppertal bereiten sich die Gastronomen auf den Neustart nach dem Lockdown vor. Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin der Dehoga Nordrhein, sagte der WZ: „Die Gastronomen sind heiß darauf, wieder Gäste empfangen zu können.“ Wenn der Inzidenzwert – der in Wuppertal derzeit bei 110 liegt – an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 100 bleibt, darf auch vor Ort wieder draußen das Straßencafé der Wahl besucht werden.

Das muss jetzt schon vorbereitet werden. Ferhat Tekeli, Mit-Inhaber des neuen Kaffeehauses Kyoto Coffee hat bereits die Außengastronomie für den Elberfelder Neumarkt bei der Stadt beantragt. Rund 100 Sitzplätze will er schon bald anbieten. „Ich rechne frühestens in ein bis zwei Wochen damit“, sagt Tekeli angesichts der Wuppertaler Zahlen.

Gerne hätte er auch schon früher losgelegt. Er sagt: „Wenn sowieso nur Geimpfte, Getestete und Genesene draußen sitzen dürfen, hätte man doch schon jetzt öffnen können.“ Der Laden-Inhaber macht keinen Hehl aus der schwierigen Lage für das neue Café: „Wir machen aktuell ein Minus-Geschäft.“ Man wolle trotzdem weiter öffnen, um als neuer Betrieb in Wuppertal bekannt zu werden.

Doch Isabel Hausmann von der Dehoga weiß, dass nicht alle Gastronomen sofort zum möglichen Start loslegen wollen. Sie sagt: „Das wird ein Flickenteppich werden. Viele Gastronomien bleiben sicherlich am Anfang noch zu.“ Es gebe zu viele Unsicherheiten. Hausmann zählt auf: „Wie wird das Wetter? Steigt die Inzidenz wieder? Haben die Gäste noch Angst?“ Niemand wolle nach kurzer Zeit wieder dichtmachen, denn: „Das Hoch- und Runterfahren kostet Geld.“

Ein klassisches Speiselokal mit Biergarten sind die Donaustuben in Barmen. Inhaber Milan Ljubinac sieht das Wetter als riesigen Faktor für eine Öffnung. Schließlich spielten Sonne und Regen aktuell verrückt. Der Gastronom sagt: „Bevor es nicht 18 bis 20 Grad sind, mache ich gar nicht erst auf.“ Er hoffe auch, dass das neue System akzeptiert wird. „Ich frage mich noch, ob die Leute Verständnis dafür haben, wenn ich sie abweisen muss, weil sie keinen negativen Test vorweisen können“, sagt der Wirt.

Wirte müssen Impfpässe
und Testergebnisse kontrollieren

Bei der Kontrolle von Impfpässen (zweite Impfung muss zwei Wochen her sein), Getesteten (Schnelltest nicht älter als 48 Stunden) und Genesenen (positives PCR-Testergebnis, das mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate alt ist) sieht Hausmann noch viele offene Fragen. Sie gibt Beispiele: „Muss das Personal die Kontrolle dokumentieren? Dürfen die Gastronomien auch selbst Tests anbieten?“ Sie gibt zu bedenken, dass das neue System für die Wirte mehr Aufwand bedeutet: Das Personal müsse geschult werden und gegebenenfalls müssten die Inhaber sogar zusätzlich Kräfte einstellen.

Sehr unangenehm werde für Gäste und Kunden auch die Frage, was passiert, wenn ein plötzlicher Regenguss einsetzt? Denn: Rein dürfen die Gäste erst wieder, wenn der Inzidenzwert stabil unter 50 liegt. Hausmann: „Dann müssen die Wirte schnell noch alle abkassieren. Und was ist, wenn das Essen noch nicht einmal gekommen ist?“ Da scheint es ein Konfliktpotenzial zu geben.

Sinkt der Inzidenzwert stabil unter 100 dürfen Hotels, Pensionen, Campingplätze und andere Beherbergungsbetriebe wieder private Gäste empfangen. Das ist eine gute Nachricht, denn wie Hausmann mitteilt, geht es der Branche „schlecht“. Auch hier lasse die Gesetzeslage Fragen offen und es könnte in der jetzigen Form zu skurrilen Situationen führen.

Die Landesregelung sehe vor, dass eine Frühstücksbewirtung erlaubt sei. Ein Abendessen dürfe allerdings erst ab einem Inzidenzwert von 50 angeboten werden – außer der Gast kann das Essen draußen einnehmen. Aber: Geschäftskunden dürfen – davon geht der Verband aus – weiterhin auch abends drinnen essen. So könnte es dazu kommen, dass in den Hotels beim Frühstück alle zusammen sitzen und abends einige Gäste bei Wind und Wetter nach draußen geschickt werden, während Geschäftsreisende drinnen speisen. Hausmann sieht das kritisch: „Da ist der Unterschied einfach enorm.“

Neue Freiheiten bieten sich auch für Reise-Lustige. In Wuppertal dürfen die Kunden zwar noch kein Reise-Büro betreten – die Ferienflieger starten allerdings schon wieder. Andreas Schröder vom Reisebüro am Laurentiusplatz, berät derzeit viele Wuppertaler am Telefon oder per E-Mail. Er sagt: „Die Leute sind wieder in den Startlöchern.“ Am beliebtesten sei nach wie vor der Urlaub in Deutschland, aber auch Urlaubsziele, die ohne anschließende Quarantäne auskommen, seien wieder beliebt. Schröder sagt: „Viele wollen nach Griechenland, Mallorca und auf die Kanaren.“ Auch Kreuzfahrten seien wieder angesagt. Dort hätten sich die Hygiene-Regeln erprobt. Für die Einreise, beispielsweise nach Spanien, ist ein negativer PCR-Test für die Einreise und ein Schnelltest für die Rückreise vonnöten. Einige Länder, die früher etablierte Reiseziele waren, würden aus Angst vor Infektionen noch immer gemieden: etwa die Türkei oder Ägypten.

Sinkt der Inzidenzwert unter 100 sind auch Konzerte unter freiem Himmel in Wuppertal wieder erlaubt. In Konzerthäusern mit Konzept starten die Veranstaltungen allerdings erst wieder bei einem stabilen Inzidenzwert von 50. Silke Asbeck, Geschäftsführerin der Historischen Stadthalle GmbH, ist aber zuversichtlich, dass Publikumsveranstaltungen mit 690 Besuchern im Großen Saal schon bald wieder möglich sein werden.

Krisenstabsleiter Johannes Slawig wollte die Bundesnotbremse nicht generell infrage stellen. Er warnt jedoch vor den Gefahren der Öffnungen: „Das Risiko besteht, dass die Zahlen nach Lockerungen wieder steigen. Wir haben es in Köln gesehen.“