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Wuppertal: Begegnungsstätte zeigt jetzt fünf Modell-Synagogen

Wuppertal : Begegnungsstätte zeigt jetzt fünf Modell-Synagogen

Die Begegnungsstätte Alte Synagoge hat jetzt ein Gotteshaus mehr. Genauer gesagt: das fünfte Modell einer Synagoge.

Bei der Enthüllung zeichnete Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte, die historischen Entwicklungslinien nach. Dass in Langenberg zwei Wohnhäuser zur Synagoge umgewandelt wurden, sei typisch für das ländliche Judentum im 19. Jahrhundert. Die kleinen Landgemeinden seien quasi demokratisch organisiert gewesen. Einen Rabbiner habe es oft nicht gegeben. Die furchtbare Wende im 20. Jahrhundert stellte Schrader in ihrem Vortrag dar, den sie dem Gang durch die Ausstellung voranstellte. „Vor 81 Jahren wurden die Synagogen in Deutschland geschändet“, begann sie und berichtet nicht bloß von den Opfern der Reichspogromnacht 1938 in Wuppertal. „Wir wissen längst, wer die Täter waren.“ So die Brandstifter der Synagoge, die einst auf dem Gelände der 1994 eröffneten Begegnungsstätte stand.

Dirk Lukrafka, Bürgermeister der Stadt Velbert, sprach dem Modell eine große Bedeutung zu. „Das Erinnern an die Synagoge ist ein Teil unserer Geschichte. Hier in der Begegnungsstätte erhält das Modell einen würdigen Platz.“

Wie Lukrafka thematisierte auch Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, den Anschlag auf die Synagoge von Halle. Er verwies auf den Polizeiwagen, der vor der Begegnungsstätte stand – sichtbares Zeichen für eine veränderte Situation. Er zog Verbindungslinien zu einem gescheiterten Angriff in Berlin – ebenfalls im Oktober – und zum Brandanschlag auf die Barmer Synagoge vor einigen Jahren. Wer könne behaupten, fragte Goldberg, dass es sich dabei nicht um eine antisemitische Tat gehandelt habe?

Den Bogen zur Geschichte schlug der Vortrag von Frank Overhoff, der schon länger zum jüdischen Leben in Velbert forscht. Auf seine Initiative hin findet man seit 2018 Informationstafeln zum Thema in der Stadt.