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Mobbing im Netz: Was tun?

Mobbing im Netz: Was tun?

Mit einer Projektwoche will die Wilhelm-Kraft- Gesamtschule über Gefahren aufklären.

Haßlinghausen. Die junge Megan Meier war eine Außenseiterin, litt an Depressionen. Dann lernt sie in einem sozialen Netzwerk Josh kennen. Sie verliebt sich in den Jungen. Doch nach sechs Wochen will er nicht mehr mit der 13-Jährigen befreundet sein. Josh schreibt, die Welt wäre besser ohne sie. Megan erhängt sich. Nach ihrem Tod kommt heraus: Josh hat es nie gegeben. Eine Familie aus der Nachbarschaft hatte Megan wochenlang vorgeführt und ihr auch die Nachricht geschrieben, nach deren Erhalt sich das Mädchen erhängte.

Als Kommissar-Anwärterin Katharina Goebel diese Geschichte aus den USA erzählt, ist es ganz still im Gemeindehaus in der Gevelsberger Straße. Auf die Frage, wer von den anwesenden Neuntklässlern der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule auch bei einem sozialen Netzwerk angemeldet ist, heben fast alle Jugendlichen die Hand.

Dass in solchen Netzwerken auch Gefahren lauern können, wird den Schülern erst jetzt klar, so sorglos gingen einige von ihnen bisher mit dem Internet um. Um dem entgegenzuwirken, veranstaltet die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule gemeinsam mit den Jugendämtern des Kreises eine Projektwoche zum Thema „Cybermobbing“. Am Dienstag wurden die Lehrer vor allem über rechtliche Aspekte von Mobbing im Internet aufgeklärt.

Abends gab es dann einen „Markt der Möglichkeiten“ für Eltern. Vier Workshops informierten über die Nutzung von Suchmaschinen, Sozialen Netzwerken, Computerspielen und Handy. Rund 100 Eltern nahmen an der Veranstaltung teil. Schulsozialarbeiter Daniel Wiese freute sich über die durchweg positive Resonanz. „Endlich nehmt ihr Euch dieses wichtigen Themas an“, hieß es von Elternseite. Bei manchem stellte sich gar ein „Aha-Erlebnis“ ein, so Wiese, denn auch für Straftaten im Internet gilt: Eltern haften für ihre Kinder.

Und da kann ganz schnell aus einem harmlosen Streich bitterer Ernst werden — wie bei Megan Meier. Und auch Katharina Goebel hat es bereits erwischt: Ihr komplettes Profil in einem sozialen Netzwerk wurde gestohlen und für pornographische Werbung verwendet. Wie das denn rausgekommen sei, will ein Schüler wissen. „Meine Freunde haben mich darauf angesprochen“, antwortet die 23-jährige Polizistin. Es wird wieder still im Saal. Für das Projekt „Internet-Scouts“ melden sich daraufhin mehr als 30 Freiwillige, die ab Sommer, den neuen Fünftklässlern den sicheren Umgang mit dem Web.