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Pflege-Tüv überzeugt noch nicht

Pflege-Tüv überzeugt noch nicht

Die Heime und Pflegedienste im Kreis wurden getestet und bewertet. Jetzt starten die nächsten Prüfungen.

Rhein-Kreis Neuss. Eltern, Partner oder Verwandte in ein Altenheim zu geben, ist oft ein schwieriger Prozess für alle Beteiligten. Die Wahl der Einrichtung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Hilfe versprechen die vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ermittelten Pflege-Noten, die über das Internet einsehbar sind. Mittlerweile wurden auch im Rhein-Kreis Neuss alle Einrichtungen getestet und bewertet, teilweise starten gerade die zweiten Besuche des MDK. Doch die Noten sind umstritten. Die WZ hat mit Experten und Betroffenen gesprochen.

Bei den aktuell veröffentlichten Bewertungen fällt auf, dass sowohl vollstationäre Einrichtungen als auch ambulante Pflegedienste im Rhein-Kreis Neuss im Durchschnitt gut bis sehr gut abschneiden.

So erreichten zum Beispiel in Neuss elf der getesteten 13 ambulanten Dienste und acht von zehn Pflegeheimen eine eins vor dem Komma. Unter ihnen ist auch das St. Georg Pflegeheim an der Selikumer Straße in Neuss, das die Traumnote 1,0 erzielte. „Wir haben ein sehr gutes Qualitätsmanagement und entwickeln uns ständig weiter“, erklärt Leiterin Monika Kames-Austinat.

Sie kann die Kritik am Pflege-Tüv nicht nachvollziehen: „Der Pflege-Tüv hat sich weiterentwickelt und sieht sich als unterstützendes Organ. Das kann ich nur bestätigen.“

Ganz anders beurteilt das Marcus Mertens von der Heimaufsicht des Kreises: „Diese Ergebnisse in Notenform sind für die Verbraucher nicht geeignet.“ Seit über 15 Jahren begleitet und betreut Mertens die Heime in der Region. Er kritisiert vor allem, dass die unterschiedlichen Kriterien, aus denen sich die Gesamtnote zusammensetzt, alle gleich stark bewertet werden. Er wünscht sich differenziertere Bewertungen.

Im Rahmen der Heimaufsicht überprüft auch Mertens die Heime des Kreises. „Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass die Qualitätsentwicklung in der Altenpflege im Kreis gut ist“, sagt er. Angehörigen auf der Suche nach der richtigen Einrichtung empfiehlt er, sich nicht nur auf Noten im Internet zu verlassen: „Es ist immer besser, sich vor Ort die Heime anzuschauen, am besten unangemeldet, um dann auf sein Bauchgefühl zu hören.“

Dazu rät auch Hans Reisdorf vom Caritasverband: „Ich würde mir auch den Speiseplan anschauen. Der sagt schon viel über das Haus aus.“ Reisdorf: „Die Kontrollen des MDK sind ja nicht die einzigen, die wir haben. Da kommen Lebensmittel-Kontrolleure, auch die Arbeitsbedingungen werden untersucht. Solche Tests sind immer Störfälle für alle, die dort leben und arbeiten.“ Reisdorf ist der Meinung, dass die internen Kontrollen ausreichen: „Wir brauchen keine externen Prüfer.“

Dem stimmt auch Marion Huss, Leiterin des St. Franziskus Caritashauses in Dormagen, zu: „Ich denke, die Masse an Prüfinstanzen sollte überprüft werden.“ Ihr Haus wurde gerade zum zweiten Mal vom MDK geprüft. Im Vergleich zur ersten Benotung (3,0) hat sich ihr Heim stark verbessert und kann sich jetzt über die Note 1,0 freuen.