Neuss: Bestatter bieten Flussbeisetzungen an

Neue Bestattungsmöglichkeit in Neuss : Reuschenberger Bestatter bietet auch Flussbeisetzungen an

In der Maas können Familien nun Verstorbene beisetzen lassen.

Auf „Novesia“ wurde vor wenigen Tagen das Boot von Wilfried Odenthal getauft, das eine ganz besondere Funktion hat. Denn es dient dem Bestatter aus Reuschenberg nicht nur zur Erholung, wenn er einige Tage ausspannen möchte, sondern er nutzt es auch für eine „neue naturnahe Bestattung“, wie er sagt, der Flussbestattung. Besonders daran ist, dass Odenthal, der einen Bootsführerschein hat, alles in Eigenregie ausführen kann.

Sieben Flussbestattungen hat er bereits gemacht. Und er ist sich sicher, dass sich diese Abschiedsform weiter durchsetzen werde. „Als eine Art der Bestattung, die keine weitere Pflege nach sich zieht“, sagt der Fachmann. Ein Jahr, erzählt er, habe er hart mit dem Ministerium für Infrastruktur in den Niederlanden verhandelt, denn schließlich können Urnen nicht einfach willkürlich in dem Fluss versenkt werden.

Die beigesetzten Urnen zersetzen sich in Verbindung mit Wasser

Odenthal darf das nun auf den Flusskilometern 52 bis 68. Und dort dürfen in einem Monat maximal 16 Urnen hinabgelassen werden. Die seien aus Ton und nicht „durchgebrannt“, wie Odenthal erklärt. Bedeutet: In Verbindung mit dem Wasser zersetzen sie sich innerhalb von 48 Stunden und werden so zu einer lehmartigen Masse, die sich am Boden des Flusses absetzt. Aufgefüllt wird die Urne übrigens mit Sand, damit sie schnell sinkt. Und schnell heißt, innerhalb von zehn bis 20 Sekunden.

Wie die Beisetzung ansonsten abläuft, bestimmt die Familie des Verstorbenen. Bis zu sieben Personen dürfen auf der „Novesia“ neben Bestatter und Kapitän Odenthal mitfahren. Die Fahrt dauert 30 bis 40 Minuten. Odenthal empfiehlt oft, dabei leise die Lieblingsmusik des Verstorbenen abspielen zu lassen. Ob ein Verwandter, ein Freund, Trauerredner oder Odenthal selbst dann einige Worte spricht, ist unterschiedlich.

Familienangehörige müssen übrigens bei der Bestattung nicht dabei sein, wenn sie es nicht wollen. Ist die Urne versunken, dann läutet die Schiffsglocke, vier Doppelschläge oder wie es in der Fachsprache heiße, sagt Wilfried Odenthal, „acht Glasen“. Dann werden Blütenblätter geworfen. Für die Angehörigen gibt es eine Seekarte mit den genauen Koordinaten, wo die Urne versunken wurde. „So können sie immer wieder an die Stelle fahren“, so der Bestatter, der im nächsten auch Gedenkfahrten auf der Maas anbieten möchte.

Odenthal hat weiterhin auch Seebestattungen im Programm

Daneben hat der Bestatter weiterhin Seebestattungen in der Nord- oder Ostsee im Programm. „Dabei arbeite ich mit verschiedenen Reedereien zusammen.“ Wichtig für viele Trauernde ist aber, dass sie wieder zum Ort der Beisetzung fahren können. Und da sind sie eben wesentlich schneller an der knapp 80 Kilometer entfernten Maas. Taufpatin der „Novesia“ war übrigens Odenthals Tochter Dayana, ebenfalls Bestatterin, die nun ihren Bootsführerschein machen wird.

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