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Countdown: Die FDP will Ampeln in Neuss mit Sekundenzählern ausstatten lassen

Drei, zwei, eins - grün : Drei, zwei, eins – und grün!

Die FDP will Ampeln in Neuss mit Sekundenzählern ausstatten lassen. Das soll Treibstoff einsparen und Verkehrsteilnehmer sogar von Stress befreien. Der ADAC sieht das allerdings kritisch.

Wenn Verkehrsteilnehmer in Neuss bald einen Ohrwurm vom 80er-Hit „The Final Countdown“ haben, dann hat das einen Grund. Zumindest, wenn ein Antrag der Neusser FDP umgesetzt werde sollte. Dieser sieht vor, dass Ampeln in der Innenstadt mit Countdown-Zählern ausgestattet werden, um Autofahrer über die verbleibende Rot- und Grünzeit zu informieren. Zunächst soll die Verwaltung allerdings per Verkehrsgutachten prüfen lassen, in welchen Bereichen die Spezial-Ampeln den Verkehrsfluss positiv beeinflussen können.

Der Vorteil laut FDP: Autofahrer können mit langsamer Geschwindigkeit auf die Ampel zufahren, wenn sie sehen, dass sie gleich auf Grün umschaltet und so ein unnötiges Halten des Fahrzeuges verhindern. Schließlich werde gerade beim Anfahren wird der meiste Treibstoff verbraucht. Auch Abgase könnten vermieden werden, da der Motor abgestellt werden kann, wenn der Countdown voll ist. Darüber hinaus fühlten sich Fußgänger und Radfahrersicherheit sicherer, wenn angezeigt wird, wie viel Zeit ihnen verbleibt, die Straße zu überqueren. Auch Autofahrer würde die „Planungssicherheit“ von Stress befreien.

Im nächsten Schritt sollen die Ampeln im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung sogar mit Autos „kommunizieren“ können. „Dabei erscheint im Cockpit des Pkw zum Beispiel eine kleine Ampel und dazu der Countdown, der die Grünphase anzeigt“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Manfred Bodewig.

Der ADAC sieht die Countdown-Ampeln – zumindest für den Kraftfahrzeugverkehr – kritisch. So bestehe beim Umschalten Aufgrund die Gefahr, dass Fahrzeuge „vorpreschen“. Auch die hohe Kosten für Hardware, Software und Betrieb (je nach Kreuzungsgröße seien es 100.000 bis 300.000 Euro nennt der ADAC als Minus-Punkt. Darüber hinaus sei eine Integration eines Countdowns in verkehrsabhängige Ampelsteuerungen ist nicht möglich. Um den Verkehrsfluss zu verbessern und gleichzeitig den Kraftstoffverbrauch zu senken, empfiehlt der ADAC, die verfügbaren finanziellen Mittel zielgerichteter einzusetzen. So können beispielsweise an bestehenden Ampelanlagen moderne verkehrsabhängige Steuerungen nachgerüstet werden.

In Hamburg wurden die Auswirkungen der Restzeitanzeigen wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse für den Fußgänger-Countdown seien positiv: Die Zahl der so genannten „Rotläufer“ habe deutlich abgenommen. Bei den Anlagen für den Kfz-Verkehr habe sich hingegen gezeigt, dass vermehrt Fahrzeuge zu früh, also bereits in der Rotphase, gestartet sind. Darüber hinaus werden die Verbesserungen für den Verkehrsfluss als äußerst gering eingestuft.