Neuss: Verband der Feuerwehren unterstützt Kampagne des Bundesinnenministers

Respekt-Kampagne für Polizei und Rettungskräfte : Kampagne: Helfer fordern Respekt

Gewalt gegen Polizisten, Sanitäter und Feuerwehr steigt. Nun wehren sich die Betroffenen.

Innenminister Herbert Reul wünscht allen Polizeibeamten, dass sie nach dem Dienst immer gesund nach Hause kommen. Denn in ihrem Beruf sei das keine Selbstverständlichkeit, sagte der Minister vergangenen Mittwoch bei der Eröffnung der neuen Polizeiakademie in Neuss. Und Reul hat Recht, wie die zunehmende Zahl von Berichten über Angriffe auf Polizeibeamte, Rettungskräfte oder Feuerwehrangehörige auch im Rhein-Kreis belegen. Der Verband der Feuerwehren im Kreis will das nicht länger unkommentiert hinnehmen. „Wir möchten unsere Kräfte ermutigen, alle Vorfälle zu melden“, sagt dessen Vorsitzender Stefan Meuter.

Anlass für seine Offensive ist die Kampagne „Für ein sicheres Deutschland“, die Bundesinnenminister Horst Seehofer vergangene Woche gestartet hat. Diese Kampagne gegen Übergriffe auf Polizei und Rettungskräfte werde aktiv unterstützt, sagt Meuter.

Laut Pressesprecher des Kreises wird nicht jeder Fall aktenkundig

Sein Verband hat die Möglichkeit geschaffen, dass Feuerwehrangehörige über eine App Zwischenfälle unverzüglich melden können. Zudem kündigt Meuter die Verbreitung von Informationen zum Thema über die sozialen Netzwerke an und bereitet für Samstag, 7. September, eine Podiumsdiskussion im Kongresszentrum der Firma Janssen-Cilag vor. Mit auf dem Podium: Johannes Kohlen. Der 32-jährige Notfallsanitäter wurde 2018 bei einem Einsatz in Köln selbst Opfer von Gewalt. Er habe dabei noch Glück gehabt, sagt der Neusser: „Ich habe zwei heftige Schläge ins Gesicht bekommen, aber ohne bleibende Schäden.“

Das Verfahren gegen den angetrunkenen Angreifer wurde eingestellt. Dass die Politik Gesetze gegen solche Gewalttäter verschärft hat, sei positiv, sagt Kohlen, den aber enttäuscht, dass die Strafverfolgungsbehörden diese nicht auch konsequent anwenden. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nimmt er davon ausdrücklich aus. Sie hat ein Sonderdezernat „Gewalt gegen Personen, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen“ eingerichtet. Dessen Leiterin Britta Zur, im September mit auf dem Podium, registrierte im Vorjahr 490 Verfahren. Dabei wird längst nicht jeder Fall aktenkundig, wie Benjamin Josephs, Pressesprecher des Rhein-Kreises, am Beispiel Rettungskräfte aufzeigt. 2018 – in den Jahren davor wurde noch nicht Statistik geführt – seien 16 Übergriffe gemeldet worden. Sieben Mal blieb es bei Beleidigungen, in zwei Fällen mussten die Sanitäter im Krankenhaus behandelt werden. Die Grauzone sei aber groß weil manche Pöbelei nicht angezeigt wird, sagt Josephs: Für ihn ist jeder Einzelfall einer zu viel: „Der Rettungsdienst will doch nur helfen.“

Etwas weniger brisant sei die Lage bei der Feuerwehr, berichtet Stadtbrandmeister Joachim Elblinger. Selbst angetrunken würde sich ein Angreifer zweimal überlegen, ob er sich mit einem voll aufgerödelten Löschzug anlegt. Deutlich gefährdeter aber sind Polizeibeamte. Alleine 117 Fälle von Widerstand gegen Polizeibeamte wurden 2017 aktenkundig, sagt Sprecherin Daniela Dässel. „Das ist nur ein kleiner Ausschnitt.“ Die Zahl der Beleidigungen und Bedrohungen, über die seit einigen Jahren Statistik geführt wird, sei deutlich höher.

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