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Wie sieht es an Meerbuschs Schulen aus?

Die aktuelle Situation an Meerbuschs Schulen zum Ferienende : Bis 2020 soll es an allen Schulen Glasfaseranschlüsse geben

Ute Piegeler leitet den Fachbereich Schulen in der Stadtverwaltung. Sie sagt, dass Schüler künftig im Klassenraum mit dem iPad arbeiten.

Acht Grundschulen, zwei Gymnasien, eine Gesamtschule, eine Realschule: Das ist die Schullandschaft von Meerbusch. Sie verteilt sich auf alle Ortsteile. Rund 5500 Jungen und Mädchen besuchen diese Schulen. 521 werden in diesem Jahr als i-Dötze eingeschult. Schulen sind eigentlich Angelegenheiten der Länder, Lehrer werden über die Bezirksregierung eingestellt. Die Stadt ist für die „Hardware“ zuständig, also Gebäude und Ausstattung. Dafür stehen 14,5 Millionen Euro im städtischen Etat. Ute Piegeler leitet den Fachbereich Schulen und spricht über Lehrermangel, Digitalisierung, die Anmeldezahlen und die Zukunft der Schulen.

Anmeldezahlen

An das Mataré-Gymnasium wechseln 113 neue Kinder für die fünften Klassen, die vier- bis fünfzügig aufgebaut werden. An das Städtische Meerbusch Gymnasium wechseln 152 Jungen und Mädchen, die fünfzügig in die Klassen eingeteilt werden. Zwei Klassen davon müssen wegen der hohen Anmeldezahlen mit 31 Schülern besetzt werden, alle anderen mit 30. 116 neue Schüler gehen an die Maria Montessori Gesamtschule. „Dort sind wir bis zum Anschlag voll“, so Ute Piegeler. Die Realschule Osterath bekommt 83 neue Schüler, mit denen eine „gute Dreizügigkeit“ installiert werden kann. Experten der Stadt rechnen damit, dass nach einigen Wochen oder Monaten rund 30 Schüler von beiden Gymnasien auf die Realschule wechseln. „Eine komplette Klasse“, vermutet Piegeler. Das sei oft so, dass viele Schüler das Pensum an den Gymnasien nicht schaffen und sich an der Realschule wohler fühlen.

Klassengrößen

30 oder 31 Schüler in einer Klasse sind eigentlich zu viel. „Das lässt sich nur durch eine andere Schüler-Lehrer-Relation lösen“, so Piegeler, die seit exakt einem Jahr in Meerbusch den Fachbereich Schulen und Kultur leitet. Heißt: „Wir brauchen mehr Lehrer“, richtet sie einen klaren Appell ans Land, das für die Schulen zuständig ist. Dann könne man Schüler auch besser fördern. Es wäre schön, wenn es zwei oder drei Lehrer für jede Klasse gäbe. „Aber das ist vermutlich eine Utopie.“ Mehr Lehrer würden auch der Inklusion gut tun. „In den 27 Jahren, seit denen die Inklusion ein Thema ist, hat sich nicht wirklich etwas an den Rahmenbedingungen geändert.“

Gründe für hohe Schülerzahlen

Die Anmeldezahlen vor allem an den Grundschulen sind in diesem Jahr leicht gestiegen. Das liege zum einen an den Neubaugebieten zum Beispiel in Lötterfeld oder hinter dem Areal Böhler, könne aber auch am generellen Wechsel in der Wohnungsnutzung liegen, vermutet Piegeler. Viele Einfamilienhäuser aus den 60er- oder 70er Jahren seien verkauft oder vermietet worden, junge Familien mit Kindern ziehen dann dort ein.

Lehrermangel

Sie könne die fehlenden Lehrer zwar nicht quantifizieren, aber „grundsätzlich geht es uns in Meerbusch bei diesem Thema gut,“ sagt Ute Piegeler. Meerbusch gehöre mit zum Ballungsraum, darum seien die Stellen bei Lehrern sehr begehrt. Anders sehe es im Sauerland, in der Eifel oder im Ruhrgebiet aus. „Aber der Rhein-Kreis Neuss und Meerbusch gehören zu den Regionen, in die Lehrer gerne wechseln.“ Gleichwohl sei bekannt, dass zurzeit viele Lehrer in Pension gingen und es nur wenig Nachrücker gebe. Darum würden immer häufiger Seiteneinsteiger eingestellt. Es gebe aber auch viele, die nach ihrem abgeschlossenen Lehramtsstudium vor vielen Jahren einen anderen Berufsweg eingeschlagen haben und sich jetzt doch wieder entscheiden, an eine Schule zu gehen. Davon gebe es auch in Meerbusch einige Lehrer.

Digitalisierung

Bis zum Sommer 2020 soll es an allen Meerbuscher Schulen Glasfaseranschlüsse geben. „Das ist so mit dem Rhein Kreis Neuss abgestimmt.“ Dann würden alle Schulen über schnelles Internet verfügen. Der nächste Schritt: „Danach können wir alle Schulen mit mobilen Endgeräten ausstatten.“ Somit seien auch keine Computerräume mehr nötig, sondern sollen die Schüler ganz normal und selbstverständlich im Klassenzimmer mit dem iPad arbeiten. Dafür will die Stadt Meerbusch iPad-Koffer anschaffen.

Jeder kostet 10 000 Euro und enthält 16 Geräte sowie Software und Ladegeräte. Der Plan: zwei Koffer pro Grundschule, vier bis sechs für die weiterführenden Schulen. Summe: 400 000 Euro. Die Hoffnung der Fachbereichsleiterin: „Je mehr wir kaufen, desto günstiger kann es werden.“ Auch Meerbusch will dabei das Angebot von Apple nutzen, die gezielt Schulen gute Konditionen anbieten würden. Diese Geräte bleiben dann aber in der Schule und dürfen nicht von den Schülern mit nach Hause genommen werden. Kann man Eltern finanziell am Kauf beteiligen? Das werde schwierig, denn es gelte auch dafür das Lernmittelfreiheitsgesetz, das vorschreibt, dass alles gestellt wird und Eltern nur mit 40 Euro pro Jahr belastet werden dürfen. „Wir sind rechtlich nicht in der Lage, mehr Geld von Eltern zu verlangen“, so Piegeler.

Das Geld aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ wurde in Meerbusch ausschließlich für Schulsanierung ausgegeben (über vier Jahre gab es jeweils 600 000 Euro), jetzt hoffen die Kommunen auf den Digitalpakt. Der besagt, dass der Bund an Länder Geld auszahlen kann, das dann in den Schulen zur Digitalisierung eingesetzt werden können. Meerbusch rechnet über fünf Jahre mit jeweils 200 000 Euro.

Dabei soll das Geld nicht zwingend für digitale Tafeln ausgegeben werden. „Uns sind die Endgeräte wichtiger.“ Schon jetzt gebe es in Meerbuschs Schulen 63 Smartboards und 570 Computer, aber eben keine mobilen Endgeräte.