Geschichte des Weins: Die besten Tropfen kamen aus Lank aus der Schenke van Dawen

Serie „Schätze aus dem Stadtarchiv“ : Die ganze Region wusste den Wein der van Dawens zu schätzen

Die beiden Brüder führten einen Weinhandel, der über Jahrzehnte gute Geschäfte nicht nur in Lank-Latum gemacht hat.

In der Alten Weinschenke von Jos. Van Dawen am Lanker Markt war selbst Bundespräsident Theodor Heuss schon zu Gast. Das Haus war so beliebt, dass in den 20ern eine Buslinie das Lokal mit Krefelds Innenstadt verband. All das und mehr findet sich in einem kürzlich gehobenen Schatz im Stadtarchiv. Archivar Michael Regenbrecht konnte das vor wenigen Jahren von den Erben übernommene Konvolut alter Geschäftsakten durch einen Ankauf um wichtige Akten zur Geschichte von Haus und Familie erweitern.

Dabei sind schon die Unternehmensakten, die bis übers Kaiserreich hinausgehen, etwas Besonderes. Schon um 1870 sind die Weinankäufe von Rhein, Pfalz oder Mosel vermerkt. Ebenso verzeichnen Dutzende Ausgangsbücher, welcher Kunde von welchem Wein welche Menge zu welchem Preis bezog – für Wirtschaftshistoriker ein Eldorado. Allein durch Kontenbücher und Quittungen könnten nicht nur Geschäftsbeziehungen, sondern über fast ein Jahrhundert hinweg ganze Firmenverzeichnisse, Geschäftsgänge und Kundenbeziehungen rekonstruiert werden.

Schon vor und noch im Zweiten Weltkrieg lagen die Unternehmensumsätze bei knapp 100 000 Reichsmark jährlich. Sie teilten sich in Weinhandel und Weinschenke auf und waren damals eine riesenhafte Summe – ein Wohnhaus kostete damals 5000 bis 10 000 Reichsmark. Die amerikanischen Besatzer plünderten im Frühjahr 1945 den Weinkeller bis auf die letzte Flasche, sodass zum 100-jährigen Jubiläum im August unter abenteuerlichen Umständen wieder Wein von der Mosel an den Niederrhein geschafft werden musste. Dass der Latumer Fabrikant Franz Schmitz den Wein zum Jubiläum aus seinem Vorrat beigesteuert habe, ist also wohl eine bis heute liebevoll gepflegt Legende. Danach gelang den Brüdern Josef (1892–1959) und Robert van Dawen (1897–1972) schnell wieder der Aufstieg zu alter Größe. Schon Ende der 40er Jahre kletterten die Umsätze auf eine Viertelmillion D-Mark.

Die van Drawens schenkten Goldtropfen und Badstube aus

Eine Wirtschaftsübersicht für 1952 zeigt, dass die Einnahmen fast gleichwertig auf Handel und Schankbetrieb aufgeteilt waren. Das Unternehmen hatte über Jahrzehnte eine herausragende Stellung am Markt, wie schon ein oberflächlicher Blick auf die erhaltenen Unterlagen erkennen lässt.

Das Wirtschaftswunder war die letzte Glanzzeit des Traditionsunternehmens, das nun neben Handel und Schenke noch eine Pilsstube eingerichtet hatte. Ab 1959 verpachteten die Brüder die Gastronomie. Dabei war ihnen wichtig, so zeigt es ein Pachtvertrag, dass der „Charakter des Hauses“ bis hin zum penibel aufgelisteten Mobiliar und Geschirr gewahrt bleiben würde. Das meiste Besteck war standesgemäß aus Silber für rund 150 Gäste. Den 142 Biergläser standen übrigens 344 Wein- und 74 Sektgläser gegenüber. Die Pächter sollten ein Ehepaar sein, vom dem mindestens einer gelernter Koch sein musste. Beim ersten Pächterpaar Willi und Hertha Herbertz waren die van Dawens sogar zum Probeessen gekommen.

Der Wein für den Ausschank musste selbstverständlich von van Dawen bezogen werden, wofür vor Ort extra ein Kommissionslager eingerichtet wurde, damit jeder Tropfen stets verfügbar war. Die Preisliste von 1959 verzeichnet Namen, die auch heute noch einen guten Klang habe: 53er Piesporter Goldtröpfen für sieben D-Mark, 53er Bernkasteler Badstube Auslese für acht D-Mark oder 53er Graacher Himmelreich Spätlese für 9,50 D-Mark. Günstigere Weine waren schon ab 1,70 Mark je Flasche zu bekommen, teuerster Tropfen war die 53er Hochheimer Domdechaney Beerenauslese Cabinet naturrein. Unter den Schaumweinen gab es als Hausmarke die Flasche Hausschild für 5,50 D-Mark, Spitzenreiter war Matheus Müller blau-rot für 14 Mark. „Bierbälle sind nur bei vorheriger Genehmigung durch den Verpächter gestattet“, behielten sich die van Dawens vor, um ihren guten Ruf als Weinschenke nicht zu gefährden.

Nach dem Rückzug der Brüder van Dawen halbierte sich in den 1960er Jahren der Umsatz der Weinschenke. Wirt Willi Herbertz verließ das Lokal 1968 und begründete das mit seinem Alter aber auch dem „ständigen Personalmangel“, der damals vor der großen Rezession noch herrschte. Nach dem Tod seines Bruders führte Robert van Dawen den Weinhandel noch einige Jahre weiter, ein Nachfolger fand sich jedoch nicht mehr.

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