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Kaarst: "Pancafé" hilft Migranten in der Pandemie

Kostenloses Angebot für Migranten : Hilfe für Migranten während der Pandemie

Bouchra El Maazi hat ein kostenloses Hilfstelefon ins Leben gerufen. Das kommt bislang gut an.

„Wir haben seit Anfang Januar schon rund 100 Anfragen“, sagt Bouchra El Maazi – ein durchschlagender Erfolg des „Pancafés“. Denn diese trifft auch Menschen mit Migrationshintergrund hart: Viele, die Deutsch lernen wollen oder müssen, fehlen der Kontakt mit Muttersprachlern, die Hilfe in allen Lebensbereichen und sie leiden unter Isolation.

Hier greift das Angebot des Pancafés. Die Idee dazu entstand, als Aouatif Meurer-El Amraoui einen Praktikumsplatz suchte. Sie klopfte bei Bouchra El Maazi an, die sich 2012 mit „Mentoring and more“ als Integrationsmentorin selbstständig gemacht hat. El Maazi wusste, welch großen Bedarf Menschen mit Migrationshintergrund in der Pandemie haben – aber wie sie erreichen? So entwickelte ihre Praktikantin das Projekt „Pancafé“, das online und per Telefon Hilfe bietet.

Beide Damen sind gut vernetzt und gaben einen Flyer mit den nötigen Informationen und Kontakten heraus, der in acht Sprachen übersetzt wurde. Die Werbung für das kostenlose Angebot ohne Ansehen der Person lief über die sozialen Netzwerke wie am Schnürchen und die Damen konnten sofort in medias res gehen: „Wir haben keine Schwerpunkte, wir helfen in allen Bereichen“, erklärt Bouchra El Maazi.

Und die angefragten Themen sind „querbeet“: Da wird Hilfe bei der Erstellung von Bewerbungsschreiben gebraucht oder ein Migrant erhält einen dreiseitigen Brief über einen bald online beginnenden Alphabetisierungskursus, den er natürlich nicht versteht: „Das ist eine typische Sache, die aber gut telefonisch zu lösen ist“, weiß die Fachfrau.

Nur zwei Beispiele, bei denen ein schnelle Antwort auf dem kurzen Dienstweg für Klarheit sorgt. Die meisten Anfragen kommen von Frauen und zu 85 Prozent beziehen sie sich auf Alltagsfragen. Ganz wichtig ist El Maazi und Meurer-El Amraoui die Gewinnung neuer Ehrenamtler für so genannte „Sprachtandems“: Jemand, der gut Deutsch kann, unterstützt einen anderen, der es nicht so gut beherrscht. „Es fehlt aktuell an Deutschkursen und entsprechender Förderung“, sagt El Maazi. Überrascht ist sie darüber, dass sie sogar Anfragen aus Leverkusen erreichen.