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So lässt die Pandemie das Konjunkturbarometer im Bergischen sinken

Wirtschaft : Zweiter Lockdown beendet die Phase der Erholung für viele Unternehmen

Es hätte ein guter Jahresabschluss 2020 für die Bergische Wirtschaft werden können. Doch nach dem gravierenden Einbruch in der ersten Jahreshälfte und einer Erholung im dritten Quartal, machte der zweite Lockdown den Hoffnungen vieler Unternehmen auf schnelle wirtschaftlich Erholung ein Ende.

Die Geschäftserwartungen für das erste Halbjahr 2021 fallen im Bergischen Städtedreieck daher überwiegend pessimistisch aus. Zu diesem Ergebnis kommt das Wuppertaler Institut für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie (WIFOP) in der jüngsten Ausgabe seines Regionalen Konjunkturbarometers. An der Sonderumfrage zu den Folgen der COVID-19-Pandemie haben 274 Unternehmen (mit rund 20 000 Beschäftigten) teilgenommen.

„Derzeit haben unsere Indikatoren auf Sektorebene nur eine beschränkte Aussagekraft, da die Lageeinschätzungen über die verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich ausfallen“, erläutert Prof. André Betzer, Vorsitzender des WIFOP. Während 65,9 Prozent der befragten Unternehmen angaben, von der COViD-19-Pandemie negativ betroffen zu sein, sehen sich 11,1 Prozent der Unternehmen als Profiteure der Krise.

„Neben Herstellern von Medizintechnik zählen hierzu auch Hersteller und Händler von hochwertigen Haushaltsgeräten, Möbelhäuser und Baumärkte“, sagt Junior-Professor Markus Doumet. Ein weiterer, interessante Befund ist die Tatsache, dass Onlinehändler nicht pauschal als Gewinner der Krise gelten. Für einzelne Warengruppen, zum Beispiel Businessmode oder Lederwaren, waren die Handelsumsätze - unabhängig vom Vertriebskanal - rückläufig.

„Laut unserer Erhebung ist vorerst mit keinem Beschäftigungsaufbau, sondern mit einem konstanten Beschäftigungsniveau zu rechnen. Letztlich hängt auch hier die Entwicklung in besonderem Maße vom weiteren Verlauf der COVID-19-Pandemie ab“, sagt Prof. André Betzer.

In dem Reprit 4/20 kommen Unternehmer zu Wort, die aus ihrer Sicht das Coronajahr 2020 beurteilen. Jörg Bornheimer, Partner der Wirtschaftskanzlei Görg, berichtet über einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr. „Ich gehe allerdings davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil der wirtschaftlich durch die Covid-19-Pandemie betroffenen Unternehmen bereits insolvenzantragspflichtig ist oder in naher Zukunft sein wird“, sagt Jörg Bornheimer. Seit Mitte 2020 verzeichneten sein Partner Mike Westkamp und er vermehrt Anfragen für die Begleitung von Restrukturierungen. Hierzu zählten insbesondere der stationäre Einzelhandel, die Luftfahrtbranche, die Veranstaltungswirtschaft und die Gastronomie. Aber auch im Bereich der Automobilindustrie und des Krankenhauswesens häuften sich die Restrukturierungsanfragen, wobei hier die Krisenursachen in der Regel nicht ausschließlich auf der COVID-19-Pandemie beruhten. Vielmehr sei die Zeit der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und die Reduzierung der Haftungsrisiken, gleich aus welchen Motiven, nicht genutzt worden, um die zur Abwendung der Insolvenzreife notwendigen leistungs- und finanzwirtschaftlichen Maßnahmen zu ergreifen. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, zumal bei vielen, die durch die Pandemie in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sind, durchaus Sanierungschancen gegeben seien.

Tobias Schmidbauer, Geschäftsführer der KS Systec Dr. Schmidbauer GmbH & Co. KG, berichtet von einem guten Jahr. Als systemrelevantes Unternehmen, das durch seine Kunden in den Bereichen der Blutanalyse (Covid-19-Tests), der Intensivmedizin (Intensivbetten und Beatmungsgeräte) sowie dem Lüftungsbau (Luftfiltergeräte) bereits vor dem ersten Lockdown mit den Corona-Verhaltensregeln vertraut gewesen sei, habe man die geforderten Maßnahmen einfach und schnell umsetzen können.