Schiefbahn : Kampf gegen die Umgehung

Bürger aus dem Schiefbahner Norden wehren sich gegen Straßenbaupläne. Durch sie werde eine Kulturlandschaft zerstört.

Schiefbahn. Über die Schiefbahner Nordumgehung wird schon seit vielen Jahren diskutiert. Doch gebaut wurde sie nie. Im Planungsausschuss wird nun Anfang März eine Machbarkeitsstudie zu dieser Straße vorgestellt, die in Verlängerung der Langebendstraße (Wohngebiet an der ehemaligen Seidenweberei) im Bogen nördlich an Schiefbahn vorbei bis zur Kreuzung Willicher/Korschenbroicher Straße führen könnte. Gegen diese Pläne regt sich jetzt Widerstand.

Einige Obstbauern, Land- und Gastwirte haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, um den Bau der Umgehung zu verhindern. Denn sie alle wären mit ihren Flächen davon betroffen. Morgen wollen sie dem Bürgermeister einen entsprechenden Antrag gegen die Nordumgehung überreichen.

„Im Herzen kann auch Josef Heyes nicht für die Umgehung sein“, mutmaßt Josef Selders. Er weiß genau, dass der elterliche Hof des Bürgermeisters ebenfalls im Bereich der Umgehung liegt. Er wisse allerdings auch, dass sich Heyes neutral verhalten müsse, so Josef Selders.

Er, sein Sohn Thomas, Georg Heyes, Frank Mertens, Willi Mertens und die Familie Weuthen sind sich einig: „Das zeitweise Verkehrschaos im Schiefbahner Ortskern ist hausgemacht und wird durch keine Nordumgehung behoben.“ Vielmehr werde diese, verbunden mit neuen Baugebieten, zu weiteren Verkehrsdichten führen.

Was die Betroffenen unter „hausgemacht“ verstehen, machen sie sehr deutlich: „Wer die Bushaltestellen auf der Hochstraße anstatt in Buchten zu lassen, auf die Fahrbahnen verlegt, um Verkehrsberuhigung zu erreichen, der muss in Kauf nehmen, dass sich in Stoßzeiten oftmals zehn und mehr Fahrzeuge in beiden Richtungen stauen. Wer eine Postfiliale an der Hochstraße ohne ausreichende Parkmöglichkeit genehmigt, hat auch an dieser Stelle Verkehrsstaus generiert.“

Das größte Problem seien die durchfahrenden Lkw, die den etwas kürzeren Weg durch Schiefbahn nutzten, anstatt in Neersen oder Schiefbahn die Auf- oder Abfahrt zu nehmen, nur um Autobahngebühren zu sparen. Vor der letzten Kommunalwahl sei vor allem von CDU-Kandidaten versprochen worden, sich für eine Sperrung des Ortskerns für den Lkw-Durchgangsverkehr einzusetzen. Bis jetzt sei dieses Versprechen nicht umgesetzt worden.

„In ihrer Ratlosigkeit, die Probleme vor Ort zu lösen, versuchen SPD- und CDU-Ratsmitglieder, den Bürgern eine Nordumgehung schmackhaft zu machen. Sie wählen mit der Planung einen scheinbar leichten, aber sehr kostspieligen Weg und vergreifen sich dabei an Natur und Umwelt“, argumentiert die neue Bürgerinitiative weiter.

Die genannten Parteien hatten die Realisierung der Nordumgehung bei den Diskussionen um das „Schiefbahner Dreieck“ zuletzt verstärkt in den Blick genommen. Die Bürgerinitiative „Verkehrsbelästigung Schiefbahner Norden“ fordert diese Umgehung vehement — und hatte dabei zuletzt kritisiert, dass sie von einigen großen Flächeneigentümern verhindert werde.

Zu diesen Flächeneigentümern zählen die Familien Selders, Heyes, Mertens und Weuthen. Diese betonen: Hier gehe es nicht nur um 20 Ahornbäume (wie am Willicher Markt), sondern um „hunderte wertvoller Bäume unterschiedlichster Art und Größe, die abgeholzt oder umgepflanzt werden müssten“. Mit der Umgehung würde eine über Generationen gewachsene Kulturlandschaft zerstört — und auch die Existenz der dort beheimateten kleinen, spezialisierten Bauernhöfe, die auch in der nächsten Generation weitergeführt werden sollen.

Jedem müsse zudem bewusst sein, dass durch eine Nordumgehung die Überlebensräume für einige mittlerweile in der Stadt Willich sehr seltenen Tierarten, wie Feldlerchen, Kiebitze, Eulen, Hohltauben und andere zerstört würden. „Versuchen wir, unser Schiefbahn lebenswert zu erhalten und gehen wir sorgsam und sparsam mit der Natur um! Das ist wichtiger, als neue Straßen und Neubaugebiete. Schiefbahn ist genug zubetoniert“, heißt es in der Erklärung.