Ärger: Vorst-Nord fehlt ein Meter

Aufregung im Ausschuss: Vor zwei Wochen haben die künftigen Anwohner erfahren, dass die Straße deutlich über dem Niveau ihrer Grundstücke liegt.

Vorst. Eigentlich sollten sich die Grundstückseigentümer freuen, die im neuen Vorster Baugebiet „Am Försterhof“ (Vorst-Nord) Flächen für den Bau ihrer Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften erworben hatten. Die notarielle Beurkundung ihrer Käufe ist erfolgt. Es soll in wenigen Wochen losgehen, nachdem die Planungszeit annähernd zwei Jahrzehnte gedauert hatte.

Als jetzt der Planungsausschuss erstmals seit langer Zeit im Sitzungszimmer des Vorster Rathauses tagte, waren zahlreiche Eigentümer darunter. Sie verließen, so wie sie gekommen waren, das Sitzungszimmer: verärgert und empört. Eigentlich war diese Sondersitzung nach Vorst verlegt worden, weil sich der Ausschuss vor der Sitzung die verkehrlichen und städtebaulichen Probleme in der Ortsmitte anschauen wollte.

Die neuen Eigentümer haben aber ganz andere Probleme. Sie hatten vor etwa zwei Wochen erfahren, dass sie ihre Grundstücke teilweise bis zu einem Meter aufschütten müssten, weil das Gelände erheblich unter dem künftigen Straßenniveau liege. Dies sei, so Jörg Friedenberg von der Tönisvorster Verwaltung, kürzlich erst im Zuge der ersten beim Kreis Viersen durchgeführten Baugenehmigungen festgestellt worden.

Etwa 50 Eigentümer, die in dem kleinen Sitzungszimmer am Rand und teilweise vor der Eingangstür standen, befürchteten dadurch Verzögerungen und Mehrkosten um bis zu 15 000 Euro. Für viele, beispielsweise für Martin Winter oder Caroline Kaiser, war es unfassbar, dass dieses Problem nicht vorher, also vor ihren Käufen, bekannt gewesen sei, zumal der entsprechende Bebauungsplan erst im September 2017 Rechtskraft erlangt hatte. „Sind dort die Grundstücke von heute auf morgen um über einen Meter abgesackt?“ So lautete der ironische Kommentar eines zukünftigen Bauherrn an der Walter-Lehnen-Straße.

Mehrmals bat die Initiative ums Wort. „Dies ist leider nicht möglich“, hielt sich der Planungsausschuss-Vorsitzende Hans-Joachim Kremser (SPD) an die Vorschriften. Auch von der Möglichkeit einer Sitzungsunterbrechung, um die Protestler dann zu Wort kommen zu lassen, machte der Ausschuss keinen Gebrauch. Obgleich selbst für so manchen Kommunalpolitiker die Einwände neu waren. „Dabei haben wir von ihnen Lösungsansätze erhofft, um unsere Mehrkosten zu minimieren“, zeigte sich danach eine Eigentümerin über diese Vorgehensweise sehr enttäuscht.

Die Verwaltung hatte dem Ausschuss vorgeschlagen, das neue Niveau in den textlichen Festsetzungen des entsprechenden Bebauungsplanes neu und einheitlich zu regeln und daher eine erste Änderung zu beschließen. „Dies ist die einfachste Lösung, um zum Beispiel in Einzelfällen, so bei Grenzbebauungen, die Eintragung von gebührenpflichtigen Baulasten zu vermeiden“, stellte Bürgermeister Thomas Goßen fest. Dadurch werde außerdem das künftige Baugenehmigungsverfahren vereinfacht. Der Bürgermeister teilte ferner mit, dass das beim Straßenausbau zuständige Tiefbauunternehmen bei der Aufschüttung helfen wolle, so unter anderem ihre Gerätschaften zur Verfügung stellen könne.

Jörg Friedenberg konnte den Einwand einiger Anwohner, die Mehrkosten könnten einen fünfstelligen Betrag erreichen, nicht bestätigen: „Größtenteils dürften die Kosten zwischen 2500 und 5000 Euro liegen. Dies hängt zum Beispiel davon ab, ob mit oder ohne einen Keller gebaut wird.“

Dass es dennoch im engen Sitzungszimmer noch Beifall gab, lag an einer Wortmeldung von Helge Schwarz (SPD): „Wir müssen jetzt schnell, möglichst in den nächsten zwei Wochen, eine Bürgerversammlung durchführen.“ Dazu soll es nun auch kommen. „Wir lassen Sie damit nicht alleine“, versicherte Jörg Friedenberg den künftigen Anwohnern.

Der Ausschuss befürwortete noch einmütig das erste Änderungsverfahren des noch jungen Bebauungsplanes „Vo-39 A „Am Försterhof, Teil 1“ einzuleiten.

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