Im Highlander Verein Nettetal sind Frauen in der Mehrzahl

Serie Mein Verein : Echte „Highlander“ gibt’s auch in Nettetal

Highland Games sind beliebte Wettkämpfe, in denen auch Nettetaler erfolgreich sind.

Röcke tragen sie alle – Männer wie Frauen, ob sie Baumstämme werfen oder sich im Tauziehen üben, und alle schwärmen sie von ihrem Sport. „Es macht einfach nur Spaß, ob man bei uns einfach nur mittrainiert oder Leistungssport betreibt“, sagt Jürgen Stickelbrock. Der Vorsitzende des Nettetaler Highlander Vereins ist stolz, dass rund zehn Jahre nach der Gründung mehr als 50 Mitglieder aktiv dabei sind, und zwar „zwischen 20 und 60 Jahren, mehr Frauen als Männer“.

Zweimal die Woche ist Training, dazu gehören etliche Fahrten an Wochenenden. „Wir machen bei rund 30 Wettkämpfen im Jahr in ganz Deutschland mit“, erzählt Stickelbrock (57). Zu großen Highland Games kämen „über 30 000 Zuschauer, unser Sport boomt“. Und einige Nettetaler „Highlander“ gehören zu den besten im Land.

Wer Baumstämme werfen
will, braucht nicht nur Muskeln

Ines Oude Hengel (28) aus Kaldenkirchen zum Beispiel ist mehrfache deutsche Meisterin im Leichtgewicht. Dass sie meisterlich Baumstämme stemmen und Steine schmeißen kann, sieht man der schlanken Frau nicht an. „Ich mache zwar auch Krafttraining, aber in meinen Disziplinen kommt es auch auf die Technik an“, erklärt sie. Im Gewichthochwurf, Hammerwerfen und Gewichtweitwurf errang sie nationale Titel.

Bei Oude Hengel und vielen Vereinskollegen lief es nach demselben Muster: zugucken, mal neugierig mitmachen, dabeibleiben. „Unser Sport packt einen einfach irgendwann“, sagt Stickelbrock, der einst als Bodybuilder zu deutschen Meisterehren kam und dann Highland Games organisierte.

Seitdem üben die Nettetaler sich in den Disziplinen, zu denen auch Tauziehen gehört. „Die Regeln basieren auf den schottischen Highland Games, da ist der Ursprung des Sports“, sagt Stickelbrock. Unter den Aktiven seien etliche ehemalige Leichtathleten, die die ursprünglichen und unverfälschten Wettkämpfe schätzten. „Bei uns gibt es keine Hightech-Sportgeräte, unsere Baumstämme holen wir uns in Absprache mit dem Förster aus dem Wald“, sagt Stickelbrock. Lediglich Krafttraining absolvieren manche zusätzlich.

„Bei offenen Wettkämpfen messen sich schon mal Gruppen aus Stadtverwaltungen oder der Feuerwehr im Tauziehen“, sagt Stickelbrock, der: „Besonders schön ist es, wenn wir im Verein mal Kinder- und Inklusionsgruppen mitmachen lassen, da spüren sie schnell: Alle sind gleich, behinderte und nicht behinderte Kinder, ob groß oder klein, beim Tauziehen kann sich jeder einbringen.“ Zum Training kommen die Highlander in Sportkleidung, zu Highland Games im Dress nach schottischem Vorbild. Im Rock also? „Das heißt Kilt, den tragen wir natürlich alle“, erklärt Thibaut. Und unterm Kilt, was tragen sie da? Stickelbrock: „Selbstverständlich Unterwäsche, das ist Pflicht, und das wird auch vor Wettkämpfen kontrolliert.“ jobu

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