Der Freundschaftskreis Deutschland-Niederlande in Nettetal engagiert sich für das Grenzland

Freundschaftskreis Deutschland-Niederlande : Freundschaftskreis will noch mehr Austausch

Die Interessengruppe mit Mitgliedern aus Nettetal und Venlo plant ein Schülertreffen.

Die Grenze nicht als Endpunkt sehen, sondern die Heimatregion darüber hinaus erweitern – diese Idee zu verbreiten hat sich der Freundschaftskreis Deutschland-Niederlande zum Ziel gemacht. Zumindest im Geiste der Grenzländer soll sich die Grenze zwischen den Ländern öffnen und in manchen Lebensbereichen auch weichen.

„Wir möchten diese Verbindung zwischen den Ländern aber durch zwischenmenschliche Kontakte aufbauen“, sagt Norbert Backes (72), Sprecher des im Frühjahr gegründeten Freundschaftskreises. Der ehemalige Vorsitzende des Werberings Lobberich vertritt die rund 20 Mitglieder des Bündnisses. Die Gruppe sieht sich nicht als Verein, sondern als Netzwerk. Es soll Menschen, die passende Angebote bieten und mitarbeiten möchten, eine Möglichkeit zum Austausch und für gegenseitige Unterstützung bieten. „Alle unsere Mitglieder sind im Grunde Vertreter einzelner Vereine oder Gruppen“, sagt Mitglied Dietmar Sagel. Der 66-Jährige bezeichnet sich selbst als Niederlandefreund und war Wirtschaftsförderer in Nettetal. „Durch meine Arbeit habe ich viel Bezug zu den Niederlanden gehabt“, sagt Sagel.

Von niederländischer Seite ist unter anderem Hanno Lamers, Ratsmitglied der Stadt Venlo, im Bunde. Der 50-Jährige sieht in dem Freundschaftskreis das große Potenzial, nachhaltige Verbindungen aufzubauen. Den Raum für offene, ungezwungene Begegnungen soll das deutsch-niederländische Haus in Venlo bieten, sagt Lamers: „Der Plan ist es, das in der öffentlichen Bibliothek in Venlo einzurichten.“ Dort soll die richtige Atmosphäre herrschen, mit einem Café in einem öffentlichen Gebäude, frei zugänglich für jeden zu den Öffnungszeiten des Hauses. „Das passt hervorragend“, findet auch Jutta Hendrikx. Die 37-Jährige vertritt im Freundschaftskreis gemeinsam mit Nina Ketels (38) den Förderverein des mehrsprachigen Kindergartens „Kinderreich“ im Schloss Dilborn. „Die Bibliothek liegt zentral in der Stadt in Nähe des Hauptbahnhofs, und die Türen stehen immer offen“, sagt sie.

Hendrikx und Ketels haben beide in den Niederlanden studiert und arbeiten heute weiterhin dort – wohnen aber in Nettetal. In ihrer Studienzeit habe sie die Niederlande und auch die Sprache richtig kennengelernt, sagt Hendrikx: „Entweder man ist nur zum Lernen da und fährt jedes Wochenende nach Hause, oder man versucht in dieser Zeit wirklich dort zu leben.“ Sie habe sich für letzteres entschieden – und damit kennengelernt, dass ihre eigene Heimat keineswegs an der niederländischen Grenze ende. Das Grenzland biete auch darüber hinaus Möglichkeiten zum Arbeiten, zum Einkaufen und um etwas zu unternehmen.

Sprache ist nicht der wichtigste Baustein für den Kontakt

Doch welche Rolle spielen Sprachkenntnisse? „Es ist wichtig und hat Vorteile, die Sprache zu können, aber die Leute müssen offen dafür sein, Kontakt zu suchen“, sagt Hendrikx. Sprache sei nicht der wichtigste Baustein und einer, der auch später hinzukommen könne. Lamers findet: „Ich spreche schließlich auch kein perfektes Deutsch, aber man muss sich trotzdem trauen.“

Mit Freundschaften über die Grenze hinweg beginnen möchte man bereits bei Kindern. „Wir suchen zurzeit eine Schule in den Niederlanden, die einen Austausch anbieten kann“, sagt Ketels. Sie ist dreifache Mutter, Hendrikx hat ebenfalls zwei Kinder, alle sollen mehrsprachig aufwachsen und besuchen auch deshalb das „Kinderreich“ in Nettetal. Ende 2019 oder zu Beginn 2020 soll ein erster Austausch stattfinden und dann im Idealfall als regelmäßiges Angebot erhalten bleiben.

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