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Kempen: Ärger über Werbering im Stadtrat

Weihnachtsmarkt-Zukunft : Kempen: Ärger über Werbering im Stadtrat

Nach der Kritik in Sachen Weihnachtsmarkt-Zukunft reagieren Teile der Politik in Kempen verärgert. Auch Bürgermeister Volker Rübo äußerte sich dementsprechend.

Der WZ-Artikel zur massiven Werbering-Kritik an der Lokalpolitik war am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr noch gar nicht gedruckt, da war er aber schon Thema im Stadtrat. Denn CDU-Ratsfrau Heike Höltken hatte sich am Nachmittag bereits die Online-Version durchgelesen. Sie reagierte entsetzt auf die Worte des Werbering-Vorsitzenden Armin Horst: „Ich kann solche Worte nicht nachvollziehen. Die gesamte Lokalpolitik so anzugreifen, ist total unfair.“

Der Werbering-Vorstand hatte kritisiert, dass der Vorstoß zur Erweiterung des Weihnachtsmarktes vom Ordnungsausschuss abgelehnt worden war. Dabei hatte der Werbering nach eigenen Angaben im Vorfeld positive Signale aus den Fraktionen empfangen.  „Wir wollen und müssen den Weihnachtsmarkt fit für die Zukunft machen. Und seitens der Lokalpolitik werden uns nur Knüppel zwischen die Beine geworfen“, so eine Aussage von Horst. Der Werbering will den Weihnachtsmarkt auf dem Buttermarkt in der gesamten Adventszeit durchführen – und nicht nur am Wochenende. Dazu müssten die Wochenmarkt-Beschicker dienstags und freitags an einen anderen Ort ausweichen. Das wollen diese nicht, weil sie Umsatzeinbußen in der für sie wichtigen Vorweihnachtszeit befürchten.

Es könne überhaupt keine Rede davon sein, dass die Politik dem Werbering Knüppel zwischen die Beine wirft, so Höltken: „Im Gegenteil: Wir sind uns der Bedeutung von Einzelhandel und Gastronomie bewusst. Und setzen uns auch stets dafür ein.“ Aufgabe der Politik sei aber auch, sich mit allen Interessen zu beschäftigen. Und beim Thema Weihnachtsmarkt gebe es nun mal unterschiedliche Ansichten.

„Im übrigen gab es aus dem Haupt- und Finanzausschuss das klare Signal von uns, dass Werbering, Marktbeschicker und Verwaltung eine Lösung suchen sollen“, sagte Höltken. Dazu gebe es die Vereinbarung, dies beim „Runden Tisch Stadtmarketing“ zu lösen. Daher fragte Höltken den Marketingreferenten Christoph Dellmans nach dem Stand der Dinge. „Einen neuen Stand gibt es derzeit nicht. Nach einer Rücksprache mit dem Bürgermeister meinerseits soll es vor der Kommunalwahl keinen Runden Tisch mehr geben“, so Dellmans, der bekanntlich von SPD, Grünen und Linken unterstützt ins Bürgermeisterrennen geht.

Die FDP warb dafür, sich für die Belange des Werberings einzusetzen und eine Lösung mit den Wochenmarkthändlern zu finden. „Der Weihnachtsmarkt muss attraktiver werden, um gegen die Konkurrenz aus dem Umland bestehen zu können“, sagte Fraktionschefin Irene Wistuba. Die Verwaltung sei aufgefordert, einen Kompromiss zu finden.

„Wir müssen dringend über die Interessen des Werberings reden. Wir brauchen ein schlüssiges Konzept für die Märkte“, so Grünen-Fraktionsschef Joachim Straeten. Es sei wichtig, im Dialog mit dem Werbering daran zu arbeiten.

Eine ablehnende Haltung zur Werbering-Idee äußerte neben Günter Solecki (Die Linke) auch Werner Rennes (Freie Wähler): „Die Wochenmarkt-Händler machen vor Weihnachten nachweislich ihren größten Umsatz. Wir dürfen die da nicht vertreiben.“

In der finalen Abstimmung zur Weihnachtsmarkt-Erweiterung stimmten CDU, SPD, Linke und Freie Wähler für den Verwaltungsvorschlag, die Werbering-Idee abzulehnen. Die FDP enthielt sich. Die Grünen stimmten gegen die Verwaltung.

Neben den Vertretern der Fraktionen meldete sich auch Bürgermeister Volker Rübo (CDU) zur Werbering-Kritik zu Wort. „Ich halte nicht viel vom Vorgehen des Werberings, immer nur Maximal-Forderungen aufzustellen“, so Volker Rübo. „Der Werbering muss aufpassen, dass er hier nicht überzieht.“ Die Interessen der Markthändler seien ebenso zu berücksichtigen. „Im übrigen bringen sie das ganze Jahr über eine Menge an Kunden in die Altstadt.“