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Offenes Glaubensgespräch im Garten der Abtei Mariendonk

Literatur : Große Weltliteratur im Garten der Abtei Mariendonk

In der Reihe der offenen Gespräche zu großen Texten der Weltliteratur im Kloster Mariendonk steht dieses Mal die Ballade „Die Füße im Feuer“ des Schweizer Dichters Conrad Ferdinand Meyer im Mittelpunkt.

Unter die alte große Linde im Klostergarten der Klausur hat die Äbtissin Christiana Reemts die Gesprächsrunde geladen. In der Reihe der offenen Gespräche zu großen Texten der Weltliteratur im Kloster Mariendonk steht dieses Mal die Ballade „Die Füße im Feuer“ des Schweizer Dichters Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898) im Mittelpunkt. Zehn Personen haben sich zusammengefunden. Die meisten scheinen öfter zu kommen, um über Gott und die Welt und das eigene Leben sprechen. Schwester Christiana kennt viele mit Namen, und so ist es eine recht vertraute Runde, in der offen Meinungen geäußert werden.

Mit ersten Gedanken rund um Rache und Feindesliebe leitet die Äbtissin das Gespräch ein: „Feindesliebe? Wir sind alle dafür, wenn wir keine haben!“ Meint sie. „Aber Rache?“ Aus der Runde kommen spontane Äußerungen. Hat Rache etwas mit Gerechtigkeit zu tun? Welche Gefühle kann Rache bei denen auslösen, die sie praktizieren? Eine neue Wendung nimmt das Gespräch, denn die Rache ist auch ein Thema in der Bibel. Die Aufforderung „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ kennt jeder. Dass es bei der Rache eher darum gehe, emotionale Schäden auszugleichen als materielle, lautet ein Zwischenfazit.

Mit mobiler Technik spielt Schwester Christiana die Ballade „Die Füße im Feuer“ von einem Schauspieler ausdrucksstark gesprochen vor. Es geht um einen Kurier des französischen Königs, der sich nach dem Befehl seines Dienstherrn an der Verfolgung der protestantischen Hugenotten beteiligt. Vor drei Jahren war er bereits in dem Schloss, zu dem er sich gerade als Dienstreisender für den katholischen König Eingang verschafft hat, wie er bald mit Entsetzen feststellt. Bei seinem ersten Aufenthalt hat er die Frau des Schlossherren zu Tode gefoltert, um von ihr den Aufenthaltsort ihres Mannes zu erpressen. Am Abendtisch erkennen die Kinder der Getöteten den Mörder ihrer Mutter, und dem Vater wird deutlich, wem er da Gastfreundschaft gewährt. Er nutzt nicht in der Nacht die Möglichkeit, sich am Mörder seiner Frau zu rächen. Ist dies Vertrauen darauf, dass Gott als der höchste König für Rache sorgen wird und er sich nicht selber wie der Mörder die Hände schmutzig machen muss?

Zahllose Facetten rund um Rache, Gerechtigkeit, Gesetze, Rechtsprechung, Vergeltung und das eigene Rechtsempfinden werden in dem fast dreistündigen Gespräch thematisiert, an dem sich fast alle rege beteiligen. Aber den besonders dafür geeigneten Ort für diese scheint niemand zu erkennen, auch die Gastgeberin nicht. Im Mittelalter wurde unter Linden Recht gesprochen, teilweise wurden auch die Urteile vollstreckt.

Die nächsten offenen Gespräche finden statt am: 26. September: „Die Ordnung der Liebe“ oder „Wer ist mein Nächster“? Mit Texten von Origines. 28. November: Rückfrage an unser Leben. Mit dem Gedicht „Der Zweifler“ von B. Brecht. Beginn ist jeweils um 15 Uhr, Ende um 18 Uhr (mit einer Pause). Telefonische Anmeldung unter der Rufnummer
02152/91540.