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Kommentar zum ersten muslimischen Gebetsruf in Kempen

Meinung : Muslimischer Gebetsruf in Kempen: Von Toleranz und Kommunikation

Mit mehr Kommunikation hätte die Stadt Kempen den Ärger der Anwohner über den muslimischen Gebetsruf in weiten Teilen verhindern können.

Nun hat Kempen also seinen ersten öffentlichen muslimischen Gebetsruf erlebt. Was zunächst klingt wie ein großes Ereignis, war zwar keine lautlose, aber doch eine ziemlich leise Veranstaltung. Die Mitglieder der Kempener Gemeinde haben mit dem Ezan einen Teil ihres muslimischen Glaubens zum Ausdruck gebracht. Das ist erlaubt. Im Rahmen der Religionsausübung hat die Stadt dafür als Behörde grünes Licht gegeben.

Es ist eine Entscheidung, die auf der Religionsfreiheit und damit auf dem Grundgesetz fußt. Es ist eine Entscheidung, die man akzeptieren und tolerieren muss. Das heißt noch lange nicht, dass man den muslimischen Ruf auf „seiner“ Straße gut finden muss. Und es heißt auch nicht, dass man sich nicht kritisch mit Teilen des Islams und vor allem mit dem vom türkischen Staat finanzierten Dachverband der Gemeinden in Deutschland, Ditib, auseinandersetzen darf.

Das Ordnungsamt hat für den Gebetsruf der Gemeinde eine Genehmigung erteilt. Dabei handelt es sich ohne Zweifel um einen Akt der laufenden Verwaltung, bei dem weder Rat noch Bürger angehört werden müssen. Dennoch wäre an dieser Stelle mehr Fingerspitzengefühl gefragt gewesen. Denn ein muslimischer Gebetsruf ist in der Wahrnehmung eben kein Glockenläuten einer Kirche. Es ist ein kultureller und religiöser Akt, der am Niederrhein eben noch nicht so verbreitet ist. Und deshalb auch Unbehagen hervorruft. Das Fingerspitzengefühl der Behörde hätte in einen Informationsbrief an die Anwohner münden müssen. Auf diesem Kommunikationsweg hätte die Stadt Ärger verhindern können.

Allerdings nicht bei allen Anwohnern. Denn Menschen, die am Fenster mit einem Löffel gegen einen Topf schlagen, dürfte schwerlich zu helfen sein.

tobias.klingen@wz.de