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In der Innenstadt soll es mehr Barrierefreiheit geben

Neues aus Kempens Geschäftswelt : Kleine Klingel für ein Stück Freiheit

Hilfe bei Barrieren: Geschäfte in der Altstadt werden in den nächsten Wochen ausgerüstet.

Es ist eine kleine Klingel, aber sie hat eine große Wirkung. Dessen ist sich der „Runde Tisch“ für Stadtmarketing und Tourismus sicher. Die Klingel soll den Eintritt in Ladenlokale, deren Eingänge nicht barrierefrei oder -arm sind, erleichtern. In den kommenden Tagen werden knapp 60 Geschäfte in der Kempener Altstadt mit Klingeln samt einem Hinweisschild „Bitte klingeln – Wir helfen Ihnen“ ausgerüstet.

Das Schild trägt die gleiche Aufschrift in Brailleschrift und ist zudem mit den Symbolen eines Menschen im Rollstuhl, einer Person mit Kinderwagen und einem Mensch mit Gehstock versehen. Denn nicht nur Menschen mit Handicap sollen von dem neuen Angebot in der Kempener Altstadt profitieren. Ob Senior mit Rollator oder Mutter mit Kinderwagen – für sie alle signalisiert das Schild: wenn die Klingel gedrückt wird, kommt Hilfe.

Die Lebenshilfe
fungiert als Berater

„Einfach anfangen ist wichtig. Die Klingel ist ein erster Schritt. Wir wollen, dass alle Menschen am Leben teilhaben können. Die Klingel ist eine einfache Geschichte, sorgt aber für eine höhere Lebensqualität bei vielen Menschen“, sagt Kempens Bürgermeister Volker Rübo. Etwas, dass Pia Grühn von der Lebenshilfe Kreis Viersen und Roman Wittpohl, der selber Rollstuhlfahrer ist, nur bestätigen können. Die Klingel bedeute ein Stück Freiheit.

Die Idee der Klingel entstand beim „Runden Tisch“. Seit anderthalb Jahren sitzen alle Fraktionen, die Stadtverwaltung, der Unternehmerkreis, die Stadtwerke, der Werbering, das Hotel Papillon sowie der Werbe- und Bürgerring St. Hubert und der Heimatverein St. Hubert regelmäßig zusammen. Dazu kommt die Lebenshilfe als Berater.

Bei den alle zwei Monate stattfindenden Treffen geht man die unterschiedlichsten Themen an. Ein Punkt ist die Barrierefreiheit. Der damalige Praktikant der Pressestelle, Philipp Lessig, ging im März die Altstadt ab und erkundete, welche Geschäfte barrierefrei zugänglich sind und wo es Schwierigkeiten gibt. Ergebnis: Knapp 60 Geschäfte waren nicht gut zugänglich.

Es folgten Gespräche mit den Geschäftsinhabern, die dem Vorschlag der Klingel offen gegenüber standen, wobei der Werbering die rund 1500 Euro Kosten für die Klingel übernahm. „Es ist eine super Idee. Wir sind oft hinten in der Werkstatt und bekommen es gar nicht mit, wenn jemand mit unseren beiden Stufen Problemen hat“, sagt Markus Claaßen vom gleichnamigen Radsportgeschäft. In den nun folgenden Wochen wird der Baubetriebshof die Klingeln montieren.

Der Runde Tisch hat indes schon das nächste Thema auf dem Schirm: Wanderwege. Dafür hat man sich das Deutsche Wanderinstitut ins Boot geholt. Der Ist-Zustand der Wanderwege soll überprüft werden. „Wir wollen schauen, wo Verbesserungen  notwendig und ein Ausbau möglich ist“, sagt Christoph Dellmans von der Pressestelle der Stadt.