Bauer aus Kempen: Schweinepest ist eine tickende Zeitbombe

Tierseuche : Warum die Schweinepest eine tickende Zeitbombe ist

Aufgrund von Schweinepest-Fällen in Belgien sind Behörden am Niederrhein in Alarmbereitschaft. Ein Züchter aus Kempen spricht über seine Sorgen. Auswirkungen spüren er und seine Kollegen jetzt schon.

„Es ist eine tickende Zeitbombe“, sagt der St. Huberter Landwirt Jörg Boves mit Blick auf die Afrikanische Schweinepest, die vor Kurzem bei zwei Wildschweinen in Belgien aufgetreten ist. In Deutschland ist bislang noch kein Fall bekannt geworden. Er mache sich aber trotzdem „heftige Sorgen“, so Boves, der in seinem Betrieb zirka 250 Zuchtsauen, 500 Mastschweine und jede Menge Ferkel hat. Schließlich ist Belgien nicht weit entfernt, und die Übertragungswege sind einfach. „Unsicherheitsfaktor ist der Mensch, zum Beispiel durch das Wegwerfen belasteter Lebensmittel, die von Wildschweinen aufgenommen werden“, sagt Kreisveterinär Dr. Helmut Theißen.

Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest absolut ungefährlich, für Wild- und Hausschweine aber eine tödliche Seuche. Das Problem: Das Virus ist extrem leicht übertragbar, und es gibt keinen Impfstoff dagegen.

Boves spürt die Folgen schon jetzt. Der belgische Markt für Wildschweine sei eingebrochen und das wirke sich auch auf die Preise hierzulande aus, so Boves. „Wenn auch nur ein Wildschwein hier betroffen wäre, gäbe es sofort Sperrräume und eventuell auch Keulungen“, sagt er. Seine Erlöse seien schon jetzt im Keller. So bekomme er beim Verkauf eines Ferkels 39 Euro, die Kosten für ihn lägen aber bei 60 bis 65 Euro pro Tier. Er befürchtet außerdem, dass viele aus Vorsicht vorerst auf Schweinefleisch verzichten könnten.

Tierseuchen-Krisenmanagement ist in Alarmbereitschaft

Es kann niemand vorhersagen, ob die Afrikanische Schweinepest irgendwann auch den Kreis Viersen erreichen wird. Genau deshalb ist der Kreis auf mögliche Fälle bereits jetzt vorbereitet. Das Tierseuchen-Krisenmanagement sei in Alarmbereitschaft, heißt es vom Kreisveterinäramt.

Klar ist auch, welche Maßnahmen im Fall der Fälle getroffen werden müssten. „Das sind zum Beispiel die Ausweisung von Schutzzonen, Betretungsverbote, Jagdruhe, Suche nach Kadavern, die Möglichkeit der Einzäunung eines Gebietes rund um den Fundort eines infizierten Wildschweins und eine Leinenpflicht für Hunde“, sagt Kreisveterinär Theißen.

Das sind aber noch längst nicht alle möglichen Bekämpfungsmaßnahmen. So gibt es auch einen Arbeitsstab, dem Vertreter des Veterinäramtes, der Landwirtschaft, der Landwirtschaftskammer und der Jägerschaft angehören.

Laut Kreisveterinäramt können Jäger viel tun, um eine Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Sie sollten darauf verzichten, in anderen Jagdgebieten Tierkörper oder Tierkörperteile mitzunehmen – beispielsweise aus der Eifel.

Der Kreis appelliert an die Schweinehalter, ihre Bio-Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Dabei geht es unter anderem um die Reinigung und Desinfektion von Ställen und die Biosicherheit von Futtersilos und Fütterungsanlagen sowie von Tränkwasserleitungssystemen.

Schweinehalter Boves befürchtet trotzdem, dass eine mögliche Einschleppung des Virus ihn und seine Kollegen noch lange begleiten könnte. Der Virus ist sehr lange haltbar, so dass sich Schweine auch erst sehr viel später infizieren könnten. „Und die sind Allesfresser“, sagt der Landwirt.

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