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Grefrath: Dorenburg: Ge(h)schichten vom Wandern, Laufen und Marschieren

Grefrath : Dorenburg: Ge(h)schichten vom Wandern, Laufen und Marschieren

Neue Ausstellung im Niederrheinischen Freilichtmuseum: Wer war wie und auf welchen Sohlen unterwegs und saß in welchem Sattel?

Grefrath. Viele konnten sich früher keine Pferde leisten, waren daher auf „Schusters Rappen“ unterwegs. Sie zogen sich Wander- oder Laufschuhe an oder waren sogar mit Gehhilfen unterwegs. „Hier stehen zwei Krücken, die im 18. Jahrhundert eine Wahlfahrerin in der Kerzenkapelle in Kevelaer zurückgelassen hat, nachdem sie offenbar geheilt worden war“, sagte Kurator Kevin Gröwig in der Dorenburg.

Grefrath: Dorenburg: Ge(h)schichten vom Wandern, Laufen und Marschieren

Der stellvertretende Museumsleiter hat in der ersten Etage eine neue Sonderausstellung aufgebaut. „Vom Wandern, Laufen und Marschieren“ heißt sie. Zu sehen ist sie in der Dorenburg vom 5. März bis zum 5. Juni.

Kreis-Direktor Ingo Schabrich kam mit dem Auto, sah sich interessiert um und stellte fest: „Eine tolle Ausstellung, die in die Zeit passt und zeigt, wie man bodenständig geblieben ist und bestimmte Ziele erreicht hat.“ Gröwig erklärte: „Wir zeigen die Besonderheiten unterschiedlicher Varianten des Gehens anhand von konkreten Beispielen.“ Unterwegs und auf den Schautafeln in Text und Bild vorgestellt gehören auch militärische Einsätze dazu, so die Schlacht im Reichswald.

Oder es werden neben einer alten Schuhmacherwerkstatt von anno dazumal alte Schachtstiefel von britischen Piloten gezeigt. Gröwig: „In den Stiefeln steckte ein Messer. Wenn Piloten abstürzten, schnitten sie damit den Schaft ab, damit man sie nicht gleich als Kampfflieger erkennen konnte.“

Viele Arten der Fortbewegung werden gezeigt, auch der schnelleren Art. So ist einer der weltbesten Sprinter zu sehen: der gebürtige Krefelder Hubert Houben (1898 bis 1956), als er im August 1924 beim Sportfest in Berlin über 100 Meter einen — allerdings inoffiziellen — Weltrekord aufstellte. Daneben sieht man die Silber- und Bronzemedaillen, die die Dinslakerin Maria Sander 1952 bei den Olympischen Spielen in Helsinki in der 4-mal-100 Meter-Staffel und über 80-Meter-Hürden gewonnen hatte. Neben den Sportschuhen von früher wirken die nebenan stehenden High-Tech-Prothesen wie aus einer anderen Welt.

Ältestes Zeugnis des Gehens auf zwei Beinen sind Gips-Abdrücke von rund 3,6 Millionen Jahre alten Fußspuren, die im tansanischen Laetoli entdeckt worden waren. Diese Exponate hat leihweise das Senckenberg-Naturmuseum (Frankfurt) zur Verfügung gestellt.

Alle sind sie in der Dorenburg zu Fuß. So die Soldaten, die Sportler, die Pilgerer und Wanderer auf Tour zum „Birgeler Pützchen“ in Wassenberg oder zu Klompenbällen in der näheren Umgebung.

Auch Demos beim Bau des „Schnellen Brüters“ in Kalker werden vorgestellt; mittels Kopfhörer kann man sich die Protestsongs anhören. Natürlich auch Wanderlieder, wie das „Im Frühtau zu Berge“ oder „Der frohe Wandersmann“. Diese Lieder hatten vor einigen Tagen die Sänger des Grefrather MGV „Liedertafel“ aufgenommen.

Viele Ge(h)schichten lassen sich entdecken. So die traditionelle Walz der Handwerker, die sich bis heute über weite Strecken auf den Weg machen. Wie das Bündel genau heißt, in dem die Wandergesellen alles Hab und Gut mitschleppten? Das kann man in der Ausstellung erfahren.