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Grefrath: Feuerwehrmann ist in historischer Uniform im Museum unterwegs

Grefrath : Eine Zeitreise mit dem Brandmeister

Das Niederrheinische Freilichtmuseum in Grefrath hat einen preußischen Brandmeister. Thomas Rödel von der Freiwilligen Feuerwehr Grefrath schlüpft in diese Rolle und zieht dafür eine passende historische Uniform an.

Eine Hose und eine Jacke aus dunkelblauem Tuchstoff, rote Biesen und silbern funkelnde Knöpfe. Dazu eine ebenso schicke Dienstmütze sowie schwere alte Feuerwehrstiefel – wenn Thomas Rödel gewichtigen Schrittes, mit den Händen hinter dem Rücken verschränkt, langsam über das Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums in Grefrath geht, zieht er die Blicke auf sich. Er wird immer wieder auf seine Uniform angesprochen und ist ein sehr beliebtes Fotomotiv.

„Kürzlich hat jemand sofort erkannt, dass es sich um die Uniform eines preußischen Brandmeisters handelt. Als wir ins Gespräch kamen, erzählte mir der Museumsbesucher, dass sein Vater diesen Posten einst innehatte. Er hat direkt ein Foto für seinen hochbetagten Vater gemacht“, erzählt Rödel. Dieses Ins-Gespräch-Kommen, mehr über einen Beruf mit langer Geschichte zu erzählen, den es heute nach wie vor gibt, genau das ist die ehrenamtliche Aufgabe von Rödel. „Unser Museum hat mit ihm eine tolle Bereicherung erhalten. Mit unserem preußischen Brandmeister ist wieder ein Stück Geschichte für die Museumsbesucher lebendig geworden“, sagt der stellvertretende Museumsleiter Kevin Gröwig.

Die Initiative ging dabei von Rödel selbst aus. „Meine aktive Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr in Grefrath geht langsam zu Ende. Ich will aber nicht einfach Schluss machen. Feuerwehr liegt mir am Herzen, und ich habe mir überlegt, was man feuerwehrtechnisch machen könnte, wie man Menschen erreichen und ihnen diesen Beruf näher bringen kann“, sagt der 57-Jährige, der dem Löschzug Grefrath seit 36 Jahren angehört. Das Museum ist dem Grefrather bestens bekannt und das sogar feuerwehrtechnisch. Schon beim Feuerwehrspritzen-Wettbewerb 2013 war er hier mit von der Partie.

Rödel hatte die Idee, das Museum durch einen Feuerwehrmann in historischer Uniform zu beleben. Bei Museumsleiterin Anke Petrat und ihrem Stellvertreter Kevin Gröwig stieß er auf Begeisterung. Schnell war klar, dass es ein preußischer Brandmeister werden sollte. Ein Brandinspektor wäre unrealistisch gewesen, denn ein solcher hätte nur in der Amtsstube gesessen und wäre nicht vor Ort durch die Straßen gewandert, so wie es Rödel jetzt auf den Wegen im Museum macht. Wenngleich der Grefrather im wirklichen Feuerwehrleben ein Brandinspektor ist.

Auch der Museumsverein war von der Idee angetan, was sich allein schon darin zeigt, dass der Verein für die Kosten der Uniform aufkam – eine Summe von 1000 Euro. Die Maßanfertigung wurde genau nach einem historischen Vorbild hergestellt und zwar im Neusser Uniformhaus. „Ich wurde ausgemessen, und es gab Anproben, denen der Rohentwurf folgte“, berichtet Rödel.

Drei Monate dauerte es, dann war die preußische Uniform aus dem 19. Jahrhundert fertig. Wobei das Schwierigste der ganzen Aktion das Beschaffen des Tuchstoffes war. „Das deutsche Uniformrecht aus dieser Zeit war sehr kompakt. Selbst das Rot der Biesen war farblich genau vorgeschrieben“, berichtet Rödel. Ein Feuerwehrmann hatte seinerzeit drei Uniformen. Es gab eine Gala-, eine Dienst- und eine Einsatzuniform. Die Galauniform wurde nur getragen, wenn der Kaiser zu Besuch kam.

Eine Hutmacherin fertigte für den Grefrather die korrekte Mütze zur Dienstuniform an. In Sachen Löscheinsatz war es ansonsten die Pickelhaube, die getragen wurde. Mit der war Rödel auch schon im Museum anzutreffen. Bei den Stiefeln schritt der 57-Jährige privat zur Tat und besorgte die alten Feuerwehrstiefel. Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Brandhorn. „Wobei wir aber bisher leider noch nichts Passendes gefunden haben“, sagt Gröwig. Ein altes Dienstfahrrad mit dem roten Feuerwehrschild an der Stange wäre ein zusätzliches Schmankerl. Aber ein solches zu bekommen, ist sehr schwer.

Bei aller Historie hat Rödel immer etwas ganz Modernes in der Tasche – denAlarmpieper der Feuerwehr. Denn wenn er in seiner historischen Bekleidung im Museum unterwegs ist, ist er immer noch der Brandinspektor vom Löschzug Grefrath der Freiwilligen Feuerwehr Grefrath. Und der ist 365 Tage im Jahr im Einsatz. Wenn Veranstaltungen im Museum sind, versucht Rödel immer dabei zu sein.

Ansonsten plant er seine Einsätze, wie er Zeit hat, schließlich steht der Grefrather als Angestellter im Öffentlichen Dienst noch im ganz normalen Berufsleben. „Wenn es sonntags passt, ziehe ich die Uniform an und gehe los. Mir macht es viel Freude, den Besuchern Feuerwehrgeschichte und aktuelles Feuerwehrleben näher zu bringen.“ Rödel könnte sich auch vorstellen, seinen Einsatz museumspädagogisch auszuweiten und ein Stück Brandschutzerziehung für Kinder anzubieten.