Unterrichtsausfall: Gymnasium bleibt dran

Die Schule leidet darunter, dass Stunden ausfallen und Lehrer fehlen. Jetzt geht sie in die Offensive und wirbt in der SPD-Fraktion auf Landesebene für mehr Lehrpersonal.

Wülfrath. Schon im Mai konnte die SPD im Land von den erheblichen Unterrichtsausfällen am Gymnasium Wülfrath erfahren: Auf Einladung der Schulpflegschaft zeigte eine Podiumsdiskussion zum Thema den Landespolitikern das Problem auf. Zwei Stunden lang diskutierten damals Schulleiter Joachim Busch, Vertreter der Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft mit der SPD-Landtagsabgeordneten Ina Spanier-Oppermann (Mitglied des Landes-Schulausschusses) vor mehr als 250 Zuhörern über Stundenausfall, Vertretungen und Lehrermangel.

Nun die nächste Stufe des geordneten Protests: Eine Delegation des Gymnasiums aus Schulleiter, Eltern, Lehrern und Schülern wurde von den drei SPD-Landtagsabgeordneten Volker Münchow, der stellvertretenden Fraktionschefin Eva-Maria Voigt-Küppers und Ina Spanier-Oppermann empfangen. Eine Diskussion, die noch mal das dringende Problem am Wülfrather Gymnasium deutlich machen sollte.

Schulleiter Joachim Busch sagte in der intensiven Diskussionsrunde, dass dem strukturellen Unterrichtsausfall nur mit einer ausreichenden Versorgung mit Lehrerstellen begegnet werden könnte. Es seien grundsätzlich zu wenige Stellen. Würden Lehrer krank oder seien sie auf Fortbildung, reiche der Stellenplan nicht mehr. Die 97,5-prozentige Lehrerversorgung am Gymnasium führe zwangsläufig zu Dauerkürzungen, beklagte Busch die Stellensituation. Barbara Ficinus, seit 36 Jahren Lehrerin am Gymnasium, erzählte von ihren Erfahrungen: Individuelle Förderung der Kinder sei bei chronischer Unterversorgung mit Lehrern nicht möglich.

„Um krankheitsbedingten Ausfall geht es uns hier gar nicht. Wir Eltern wollen, dass die Stundentafel voll umfänglich unterrichtet wird“, erklärte die Schulpflegschaftsvorsitzende Jutta Reißbach den Abgeordneten. Ein weiteres Problem: die zu großen Klassen am Gymnasium. Die Landesregierung hatte jüngst auf Nachfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Dirk Wedel bestätigt, dass es zu viele überfüllte Klassen gibt. Besonders Gymnasien und Gesamtschulen seien davon betroffen. An der Spitze im Kreis Mettmann liegen die Gesamtschule Heiligenhaus mit 66,7 und das Gymnasium Wülfrath mit 62,5 Prozent aller Klassen, die mehr als 30 Schüler haben. „Die Landesregierung muss alle Schulen personell ausstatten, damit Klassengrößen über 30 Schüler die Ausnahme bleiben und eine individuelle Förderung bis zum Abitur möglich ist“, so Wedel vor sechs Wochen.

„Eine ausreichende Unterrichtsversorgung ist unser Ziel“, sagte Voigt-Küppers und stellte die Einführung einer 105-prozentigen Lehrerversorgung in Aussicht, von denen zwei Prozent sogar „flexibel kapitalisiert“ werden könnten.

Der Dialog soll nicht abreißen: Volker Münchow will eine kreisweite Podiumsdiskussion organisieren, bei der sich auch die SPD-Fraktionschefin den Fragen stellen werde.