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Trinkwasser in Wülfrath soll weiter abgekocht werden.

NRW : Trübes Wasser aus dem Hahn

4500 Haushalte müssen bis auf Weiteres abkochen, was aus dem Hahn fließt. Denn in Mülheim an der Ruhr hat Hochwasser die Trinkwassergewinnung verschmutzt. Seither wird das Nass maximal gechlort.

Ganz Wülfrath muss bis auf Weiteres das Trinkwasser abkochen. Das sind nach Angaben der Stadtwerke Wülfrath rund 4500 Haushalte. Für den auf der Stadtgrenze liegenden Mettmanner Ortsteil Obschwarzbach gab das Mettmanner Rathaus am Freitagmittag Entwarnung. Dort läuft Wasser der Stadtwerke Düsseldorf aus den Hähnen – und das ist sofort genießbar.

Die Wülfrather sowie Teile Ratingens, Heiligenhaus und Velbert aber bekommen ihr Wasser über die Stadtwerke von der RWW Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft. Die hat gleich doppeltes Hochwasser-Pech gehabt: Im Pumpwerk Essen-Kettwig stoppte ein Stromausfall Pumpen und Wasseraufbereitung. Und ruhr-abwärts überflutete schmutziges Flusswasser das Trinkwassergewinnungsgebiet in Mülheim-Styrum.

Die Folge: Statt rein und klar läuft Trübes durch die Wasserleitungen, ein Mix aus Trink- und Flusswasser. Damit dieser Cocktail nicht zu Krankheiten führt, hat die RWW den Einsatz von UV-Licht, Ozon und Chlor bis auf die nach der Trinkwasserverordnung zulässigen Maximalwerte hochgefahren. Dadurch schmeckt das Trinkwasser deutlich intensiver nach Schwimmbad als gewöhnlich. Das Kreisgesundheitsamt hat als zusätzliche Sicherheit noch am Donnerstagabend das Gebot erlassen, Trinkwasser vor dem Gebrauch abzukochen.

Neben Wülfrath sind Teile von Ratingen, Heiligenhaus und Velbert sowie einige Städte des Ruhrgebiets vom trüben Mülheimer Wasser betroffen. Seit die Nachricht bekannt wurde, gibt es eine Reihe von Fragen. In Mettmann und Erkrath muss das Trinkwasser nicht abgekocht werden, versichern die Behörden und Stadtwerke. In den betroffenen Städten sollten die Anwohner dies im Interesse der eigenen Gesundheit tun. „Aber nicht husch-husch durch den Wasserkochen jagen“, ermahnt eine RWW-Sprecherin (siehe Info-Kasten). Um keimfrei zu werden, müsse Trinkwasser wenigstens drei Minuten lang richtig sprudelnd sieden.

Wer in Wülfrath, Velbert oder Heiligenhaus Obst und Gemüse waschen möchte, sollte das Wasser dementsprechend abkochen. Die nötige Sorgfalt vorausgesetzt, könne anschließend mit dem abgekochten Wasser auch Babynahrung zubereitet werden. Verschlossen in einem sauberen Behälter aufbewahrt, hält sich einmal abgekochtes Wasser etwa einen Tag lang. „Als Faustregel gilt: Wann immer Wasser über den Mund in den Körper aufgenommen werden soll oder könnte, muss man abkochen“, sagt die RWW-Sprecherin. Duschen dürften Erwachsene mit dem Trüben aus dem Wasserhahn – vorausgesetzt, der Mund bleibt geschlossen.

Unklar ist, wie lange in den betroffenen Städten vorsichtig mit dem Trinkwasser umgegangen werden muss. Eine Kreissprecherin und die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes gaben am Freitag die Losung aus: „mindestens bis Montag“. Das scheint etwas zu optimistisch zu sein.

Denn die RWW-Sprecherin will sich nicht auf „Tage oder Wochen“ festlegen lassen. Erst müsse sich in Mülheim das Hochwasser zurückziehen. Dann müssten die Sandschichten kontrolliert werden, durch die das Wasser normalerweise sickert, um gefiltert zu werden. „Anschließend müssen wir alle Leitungen spülen und dann wird das Gesundheitsamt einige Tage lang das Trinkwasser engmaschig überwachen. Freigabe erst danach.

Eine Sprecherin der Düsseldorfer Stadtwerke hatte einen Tipp für alle parat, deren Keller in den vergangenen Tagen durch eine braune Schlammbrühe geflutet wurde. Sie sollen die Wasserarmaturen gründlich reinigen und anschließend das Wasser lange laufen lassen. Viel Spülen hilft viel.