Ratinger gewinnt bei „Jugend gründet“

Der Ratinger Michael Pollmann hat beim Bundeswettbewerb „Jugend gründet“ gewonnen. An seiner Sieg-Idee, dem Strom produzierenden Schuh, bleibt er dran.

Ratingen. Not macht bekanntermaßen erfinderisch. Als beim Dauergespräch mit dem Mobiltelefon der Akku in die Knie ging, überlegten sich Michael Pollmann und fünf Mitstreiter, wie sich Energie jenseits der Steckdose generieren ließe. Mit der Idee eines Schuhs, der beim Gehen und Laufen durch Induktion klimaneutral Strom für Mobiltelefone und MP3-Player erzeugt, war - theoretisch - die Lösung des Problems gefunden.

Nein, ein Daniel Düsentrieb sei er nicht, sagt der 18-jährige Schüler des Kopernikus Gymnasiums über sich selbst. Dass die sechs Jungs so ausführlich in einer Konferenzschaltung miteinander sprachen, lag daran, dass sie überlegten, mit welchem Projekt sie bei "Jugend gründet" an den Start gehen könnten. Und bei diesem Projekt geht es vor allem darum, Geschäftsideen prinzipiell zu entwickeln und als virtuelles Unternehmen engagiert zu präsentieren.

Als Sieger des Wettbewerbs reisten Michael Pollmann und seine fünf Teamgefährten, die übrigens bundesweit verstreut leben, nach Wolfsburg. Die Jury simulierte kritische Investoren und "alles lief bestens". Zur Belohnung geht es im August auf große Fahrt. "Wir fliegen ins Silicon Valley", freut sich der Nachwuchs-Geschäftsmann, der bereits 2008/09 als Austauschschüler ein Jahr in Kansas, USA, verbrachte und sich später "durchaus vorstellen kann, im Ausland zu studieren".

Das wird sicher nichts, was mit Erfindungen zu tun hat, eher etwas wirtschaftliches. Begabt ist er sowohl in Sprachen als auch Naturwissenschaften, seine Leistungskurse sind Mathe und Englisch, im vergangenen Jahr hat er noch Tischtennis gespielt - und zuletzt entdeckte er seine Liebe zum Theater. "Ende Mai haben wir mit der Theater-AG ‚Die Welle’ aufgeführt. Ich habe den ‚David’ gespielt. Es ist eine schöne Bestätigung, wenn es dem Publikum gefällt."

Das gilt auch für das Junior-Geschäftsmodell rund um den Akku-Schuh. Mit der dafür gegründeten Firma "En2go", sprich: Energie to go - also Energie zum Mitnehmen - hat der Ratinger, der im kommenden Jahr sein Abitur machen möchte, noch einiges vor. "Wir basteln weiter am Schuh", erklärt der Pfiffikus, der zurzeit daheim in mit Bruder Daniel die Ferien genießt. Ein Mini-Modell des Schuhs ist entwickelt, die Sohle muss dick genug sein, um einen Akku und ein transformatorähnliches Modul, vier Zentimeter lang, eineinhalb Zentimeter breit und einen halben Zentimeter hoch, zu beherbergen. "Ziel ist es, den Schuh selbst herzustellen und zu vertreiben. Wir basteln zunächst weiter, um irgendwann ein Patent anmelden zu können und Lizenzen zu vergeben", lauten die ehrgeizigen Pläne.

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