Velbert: Die Tafel wird überrannt

Immer mehr Menschen nehmen die Lebensmittelausgabe der Tafel Niederberg in Anspruch. Das bringt die Helfer in logistische Probleme.

Velbert. Monika Hülsiepen steht im Eingangsbereich des Gemeindezentrums Friedenskirche. Hinter ihr eine meterlange Theke, auf der Brot, Gemüse und Obst in Plastikbehältern stehen. Vor der Tür haben sich bereits rund 30 Menschen versammelt. Sie stehen dort, um von Monika Hülsiepen und ihren 15 Helfern Lebensmittel abzuholen.

Die Tönisheiderin ist ehrenamtliche Leiterin des Tafelstandorts Nevigeser Straße und steht jeden Dienstag hinter der langen Theke, um Bedürftigen mit Lebensmitteln oder einem warmen Mittagessen auszuhelfen. Nun bekommt die Tafel in letzter Zeit aber ein Problem: Es wird bei den Ausgaben immer voller.

"Seitdem wir Anfang 2010 begonnen haben, die Tafel-Card jährlich neu auszugeben, zählen wir 1013 Kartenbesitzer", sagt Renate Zanjani, Tafelkoordinatorin der Diakonie Niederberg.

Die Tafelkarte können zum Beispiel Hartz IV-Empfänger oder Geringverdiener, deren Einkommen unter 960 Euro bleibt, beantragen. Dann dürfen sie bis zu zweimal pro Woche an den sechs verschiedenen Standorten essen oder Nahrungsmittel abholen.

An sich finden die Ehrenamtlichen es nicht schlimm, wenn viele Menschen kommen. "Wir helfen jedem gerne. Aber irgendwann bekommen wir logistische Probleme", sagt Zanjani. Laut Hans-Jörg Haase, dem NRW-Ländervertreter der Tafel, kommen zur Friedenskirche jeden Dienstag im Durchschnitt mehr als 100 Bedürftige, in den Niederlassungen in Birth und Langenberg sind es 90.

Neviges wird gar von 115 Menschen besucht. Durchschnittlich versorgt die Tafel Niederberg rund 600 Menschen in der Woche. Noch eine Zahl macht den immensen Aufwand deutlich: "Im Jahr bewegen wir 290 Tonnen Lebensmittel", sagt Haase. Und: Während man in 2009 insgesamt 27.418 Tüten mit Lebensmitteln ausgab, waren es bis Juni 2010 bereits 15.048.

Durch die steigenden Zahlen wird es immer öfter stressig für die ehrenamtlichen Helfer. Ab 10 Uhr bereiten sie vor. Wenn das Mittagessen fertig ist, werden die Leute hereingelassen. Nummern, die aus einem Beutel gezogen werden, regeln die Reihenfolge. Jeder wird einzeln aufgerufen.

Wenn sich zum Beispiel die Anlieferung verzögert, geht das zu Lasten der Helfer. Oft ändert sich dann auch die Stimmung unter den Wartenden. "Es ist eng, laut und warm. Wenn dann Kinder schreien oder sich Leute beschweren, ist es schon hektisch", berichtet Hülsiepen. "Und falls wir noch dazu wenig Ware haben, muss man das jedem Gast einzeln erklären."

Um den Helfern in Zukunft nicht noch mehr Stress zuzumuten, will die Diakonie den Anstieg beobachten und gegebenenfalls Änderungen durchführen. "Wenn immer mehr Leute kommen, müssen wir die Standorte überdenken. Vielleicht sind wir sogar gezwungen, einen neuen zu gründen", sagt Zanjani.

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