Ratingen: Betreuung für Kleinkinder - Private Angebote nehmen zu

Ratingen: Betreuung für Kleinkinder - Private Angebote nehmen zu

Um den Anspruch auf Plätze für unter Dreijährige zu erfüllen, setzt die Stadt auf Tagesmütter.

Ratingen. Ihre Betreuungsplätze waren ruckzuck belegt. Die Tagesmütter Dinah Armbrust und Gina-Suline Schuster mussten nicht lange warten, bis sie Eltern fanden, die ihre Kinder bei ihnen in Obhut geben wollten. Denn die beiden haben sich auf die Betreuung von unter Dreijährigen spezialisiert. "Hier ist die Nachfrage bei den Eltern groß. Deshalb konzentrieren wir uns auf die ganz Kleinen", sagt Schuster.

Sie und Dinah Armbrust arbeiten aber nicht in der eigenen Wohnung, sondern gemeinsam in einer Doppelhaushälfte. Offiziell geht es am 1. August los. "Das Haus haben wir extra angemietet, damit wir genügend Platz haben", sagt Schuster. Und das Haus im Schwarzbachtal hat auch schon einen Namen: Kindernest Klein Kauhaus.

Die nüchternere Bezeichnung für das, was die beiden Tagesmütter da betreiben, ist Kindergroßtagespflegestelle. Davon gibt es in Ratingen drei. Und es werden voraussichtlich noch mehr werden. "Das ist nicht unüblich. Ich bin sicher, dass sich noch mehr Tagespflegepersonen zusammentun werden", sagt Gisela Kühn vom Pflegekinderdienst beim Jugendamt Ratingen. Schon jetzt lägen noch entsprechende Anträge auf ihrem Schreibtisch.

Welche Vorteile der Zusammenschluss hat, erklärt Schuster aus ihrer eigenen Erfahrung. "Eltern müssen dann nicht von heute auf morgen umorganisieren, wenn die eine Tagesmutter ausfällt, weil sie zum Beispiel krank ist", sagt die gelernte Erzieherin.

Dass die beiden Tagesmütter sich auf die Betreuung von unter Dreijährigen spezialisiert haben, dürfte das Jugendamt freuen. Denn bis 2013 müssen nach dem Kinderförderungsgesetz 35 Prozent aller Kinderbetreuungsplätze in der Stadt für unter Dreijährige bereitstehen. Das wären nach Berechnungen des Jugendamtes rund 559 Plätze. Zurzeit gibt es 419 Plätze.

Statistisch liegt Ratingen damit gut im Rennen. Christa Seher-Schneid, Leiterin des Jugendamtes, ist deshalb auch sicher, dass die 35 Prozent-Marke bis 2013 erreicht wird. Doch bei der Frage, wie das finanziert werden soll, klingen bei ihr doch Zweifel an. Pläne zum Aus- und Neubau von Kindergärten gibt es reichlich. "Aber das sind eben nur Pläne. 2011 und 2012 kann ja noch viel passieren. Das Geld muss ja auch erst mal im Haushalt bereitgestellt werden", sagt sie.

Und sie sieht weitere Probleme. "Selbst wenn die die 35-Prozent-Marke erreichen, wird das in Ratingen aus meiner Erfahrung nicht reichen. Was soll ich einer Mutter sagen, die einen U-3-Platz will und auf ihr Recht pocht, für die aber kein Platz da ist?"

Zu hinterfragen sei auch, ob alles bei der Diskussion um U-3 bedacht worden sei. "Alles dreht sich zurzeit um die Betreuung der unter Dreijährigen. Ich frage mich, was aus den den Plätzen für die Drei- bis Sechsjährigen wird. Denn mit jedem U-3-Platz geht dann auch wieder ein Platz für die Älteren verloren." Das heißt, dass die Kapazitäten insgesamt nicht erhöht werden. "Dabei werden die unter Dreijährigen ja auch älter. Was machen dann Einrichtungen, die nur begrenzt Platz haben? Die Gefahr besteht, dass Eltern im Endeffekt gar keinen Platz mehr bekommen."

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