Rat wählt Ostermann und Böll

Die Politiker trafen zwei wichtige Entscheidungen. Während die Wahl von Ostermann einstimmig war, gab es bei Böll Unruhe.

Velbert. „Ich danke für das Vertrauen, ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen Fraktionen, auch denen, die mich nicht gewählt haben“, kündigte Gerno Böll (SPD) vor dem Stadtrat an. Mit den Stimmen von CDU und SPD wurde der Beigeordnete für Bürgerdienste, Jugend, Familie, Soziales sowie Bildung, Kultur und Sport zum Allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters bestimmt und führt künftig die Bezeichnung Erster Beigeordneter. Bereits die Wahl Gerno Bölls vor einem Jahr zum Beigeordneten war umstritten.

Foto: Hans-Joachim Blißenbach/Stadt Velbert

Folglich trugen 13 Ratsmitglieder die Entscheidung zum Bürgermeistervertreter nicht mit. Friedrich-August Tonscheid (Velbert anders) sprach vielen aus der Seele, ohne auf Hintergründe einzugehen: „Wir hätten gerne eine Auswahl gehabt.“ Persönlich merkte er an, dass die Wahl zur falschen Zeit kommt und sie von der Bevölkerung nicht mit Jubel aufgenommen wird.

Bei der zweiten, weitreichenden Personalentscheidung herrschte eine größere Einigkeit: Mit fünf Gegenstimmen wurde Jörg Ostermann zum Beigeordneten gewählt, in dessen Zuständigkeit Stadtplanung, Bauaufsicht, Immobilienservice sowie Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing fallen. „In bin sehr glücklich“, gab sich der fast 57-Jährige nach der Abstimmung erleichtert. „Sie haben mir einen großen Vertrauensvorschuss gegeben, dem möchte ich gerecht werden.“

Ostermann ist derzeit als Teilzeitgeschäftsführer der Enewa GmbH, einer Tochtergesellschaft der Gemeindewerke Wachtberg und der Stadtwerke Aachen für Energie- und Wasserversorgung tätig. Vor gut einem Jahr wurde der damalige Beigeordnete der Gemeinde Wachtberg nicht im Amt bestätigt.

In dem 20 000 Einwohner zählenden Ort im Rhein-Sieg-Kreis galt der diplomierte Verwaltungswirt als fachlich sehr versiert, allerdings, missfiel einigen Ratsmitgliedern sein Diskussionsstil. „Meine Arbeit wurde geschätzt, aber ich wurde nicht wiedergewählt.“ Er kündigte an, bald nach Velbert zu ziehen: „Ich kann meine Arbeit nur erfüllen, wenn ich mitkriege, wie die Velberter so denken.“

Der neue Mann an der Spitze der Velberter Verwaltung steht kurzfristig zu Verfügung. „Möglicherweise ab dem 1. Juli“, so eine vorsichtige Einschätzung von Bürgermeister Dirk Lukrafka.

Schwer tat sich der Velberter Rat mit dem Antrag der Piratenpartei, die Rats- und Ausschusssitzungen per Video- und Audiostreaming im Internet zu übertragen. „Es geht uns um mehr Transparenz“, begründete Martin Schwarz den Vorstoß seiner Fraktion, der bei vielen Kollegen auf Zustimmung stieß. „Wenn man die Bürger im Allgemeinen und vor allem die jungen Leute für Politik interessieren möchte, müssen wir das machen“, so die verbreitete Auffassung.

Doch es gab auch Gegner: „Ich will die Kontrolle über meine Bilder haben“, beharrte Karsten Schneider von der CDU. Unterstützung kam durch Parteikollegen Burkhard Fülling: „Nicht alle, die das sehen, haben ein demokratisches Grundverständnis wie wir.“ Schließlich versprach der Bürgermeister, dass die Verwaltung die entstehenden Kosten und die rechtlichen Fragen prüfen wird.